Sonntag, 4. Dezember 2016

Betrogen und Erpresst - Wie unser Umzug zur Katastrophe wurde

Habt ihr schonmal einen dieser Fernsehberichte über betrügerische Umzugsfirmen gesehen? Heute erzähle ich euch von unseren ganz persönlichen Erfahrungen mit solch einer Firma.

Alles begann Anfang des Jahres, als wir beschlossen von Köln in den Schwarzwald zu ziehen. Es war klar, dass wir dafür ein Umzugsunternehmen beauftragen, denn einen Umzug von fast 500km Entfernung macht man nicht mal eben alleine.
Ich recherchierte also online und schrieb mehrere Unternehmen an. Einige Firmen schickten Mitarbeiter zur Besichtigung raus, andere nicht. Als ich mehrere Kostenvoranschläge beisammen hatten, entschieden wir uns letztendlich für ein Unternehmen, setzten den Termin für den Umzug fest, orderten die Kartons und los ging der große Umzugsstress.

Am Umzugstag klappte zuerst alles einwandfrei. Die Helfer erschienen mit dem LKW, wir machten einen Rundgang (denn diese Firma hatte einen Besichtigungstermin vorab nicht für nötig erachtet, man berechne nach Quadratmetern, pauschal) und dann wurde alles in den LKW geladen. Als alles verpackt war, forderte man uns auf, die gesamte Summe für den Umzug (wir sprechen hier von mehreren Tausend Euro) sofort zu zahlen, ansonsten würde der LKW nicht losfahren. Da uns das komisch vorkam und wir nicht bereit waren, direkt alles zu zahlen, telefonierte mein Mann mit dem Chef der Firma, dieser sagte aber, das wäre das übliche Verfahren bei so großen Entfernungen. Es blieb uns also nichts anderes übrig als zu zahlen. Der LKW fuhr ab, das Entladen sollte am nächsten Tag im Schwarzwald stattfinden.

 





Ungefähr 2 Stunden später erhielten wir plötzlich einen Anruf der Umzugsfirma. Es hätte während des Beladens Mehraufwand gegeben, dieser wäre jetzt im Büro neu berechnet worden (für angeblich längere Laufwege und Möbel, die demontiert werden mussten)  und wir sollten noch am gleichen Abend persönlich im Büro erscheinen, weitere 1200€ bezahlen oder wir würden unsere Möbel nicht wiedersehen. 

Wir waren geschockt. Niemand hatte diesen angeblichen Mehraufwand vor Ort erwähnt und wir konnten uns auch nicht vorstellen, wie dieser entstanden sei. Wir telefonierten noch mehrere Male mit der Firma, drohten mit Polizei, Anzeige und Anwaltschaft, aber sie blieben stur. Also besorgten wir uns einen Babysitter, damit Leon betreut war, und fuhren zur nächsten Polizeistation. Dort wurde Anzeige wegen Erpressung und Nötigung erstattet, mehr konnte man aber nicht machen. Wir fühlten uns absolut im Stich gelassen.

Zuhause googelte wir noch ein bisschen und fanden raus, dass diese Firma für solche Machenschaften bekannt war. Es gab sogar schon einen Fernsehbericht darüber. Wir kamen uns so dumm vor, dass wir uns darüber nicht vorher informiert hatten. Per Facebook fanden wir dann auch raus, dass der Chef der Firma, der ja angeblich im Büro war, in Wahrheit einer der Umzugshelfer vor Ort war und als mein Mann mit dem Chef telefoniert hatte, saß der gemütlich im Führerhaus des LKW und tat so, als wäre er im Büro und hätte keine Ahnung von der ganzen Sache.

 

 

Naja, wir hatten ja keine Wahl. Am nächsten Morgen liehen wir uns eine Luftmatratze und ein Reisebett und fuhren, nur mit den Sachen, die wir am Körper trugen, in den Schwarzwald. Immerhin hatten wir einen Termin zur Wohnungsübernahme, zu dem wir erscheinen musste. 

 

Am nächsten Werktag standen wir sofort morgens bei einem Anwalt auf der Matte und schilderten ihm die Situation. Er war bestürzt und kontaktierte sofort die Firma, sowie die zuständige Polizei. Er fand raus, dass schon über 60 Anzeigen gegen diese Firma vorlagen. Aber außer uns hatte sich bisher noch nie jemand geweigert, den Betrag zu zahlen und war das Risiko eingegangen, seine Möbel nicht wiederzusehen. Es dauerte eine Woche und unzählige Stunden Arbeit für unseren Anwalt, Gespräche mit den Firmenanwälten, verschiedenen Polizeiabteilungen und der Staatsanwaltschaft bis wir uns schließlich einigten, dass wir den geforderten Betrag auf ein Treuhandkonto beim Anwalt der Gegenseite hinterlegen und im Gegenzug unsere Möbel erhalten. Das Geld wäre so sicher hinterlegt, ohne dass irgendjemand daran könnte, bis wir uns einigen, wem es zusteht. 

Und tatsächlich. Nach einer Woche Entbehrungen, Essen auf dem Fußboden, Kind bespaßen ohne Spielsachen und Leben fast ohne Wechselkleidung bekamen wir unsere Möbel wirklich geliefert.

 

 

Danach reichten wir bei Gericht Klage auf Herausgabe des Geldes ein. Unsere Chancen standen gut, denn dadurch, dass wir nicht bezahlt haben, liegt die gesamte Beweislast bei den Angeklagten (hätten wir bezahlt, hätten wir nachweisen müssen, warum wir es getan haben, obwohl wir es nicht für rechtens erachtet haben. Jetzt aber muss die Gegenseite beweisen, warum ihnen das Geld zusteht). Im November diesen Jahres stand dann das Gerichtsverfahren an. Wir lehnten jegliche Vergleichsvorschläge ab,  es ist unser Geld und steht uns zu. Und tatsächlich haben wir ganz gute Chancen, das Geld auch wiederzubekommen. Der Geschäftsführer der Firma hat inzwischen gewechselt. Das erfuhr der Anwalt der Gegenseite aber erst am Gerichtstag und trat deshalb nicht auf. Es gab ein Versäumnisurteil, das uns das ganze Geld zugesprochen hat. Wenn nun der neue Geschäftsführer der Firma bis letzten Freitag keinen Einspruch eingelegt hat, bekommen wir unser Geld noch vor Weihnachten zurück. Drückt und die Daumen!

Was parallel immer noch läuft ist die strafrechtliche Verfolgung der Staatsanwaltschaft wegen Erpressung und Nötigung. Auch dafür wird es hoffentlich irgendwann zu einem Gerichtsverfahren kommen. in vergleichbaren Prozessen sind die Angeklagten zu Geldstrafen bis hin zu mehreren Jahren Haft verurteilt worden. Auch hier hoffe ich, dass der Rechtsstaat Deutschland sein Möglichstes tut, damit diese Menschen die Konsequenzen für ihr Verhalten tragen müssen. Ich werde euch noch einmal berichten, wenn sich etwas neues ergibt.

Und nun, Danke fürs Lesen. Habt's fein und bis bald!

Kommentare:

  1. oje... ich hab zwar schon Berichte über solche Fälle im TV gesehen, aber da dachte ich noch, vielleicht ein Einzelfall oder so.. Schlimm das ihr sowas durchmachen musstet, ich selbst hab bisher bei meinen Umzügen noch kein Unternehmen in Anspruch nehmen müssen, aber dank deines Beitrages weiß ich nun schon das ich da ziemlich vorsichtig vorgehen werde,falls ich doch mal ein Transportunternehmen brauche. Drücke euch die Daumen das ihr euer geld schnell zurück bekommt und das ganze endlich abharken könnt.

    Lieben Gruß
    Petra

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  2. Ohje. Nächstes Jahr brauche ich auch eine Firma und genau vor so etwas hab ich jetzt schon angst :/

    Liebst Daniela
    von http://cocoquestion.de

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    1. Ich kann dir nur raten, dir entweder eine Firma von Bekannten oder Freunden empfehlen zu lassen oder eben besonders gut im Internet zu recherchieren, vor allem, was Erfahrungsberichte anderer Leute betrifft

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