Montag, 12. Dezember 2016

Braucht das Kind denn schon ein Handy?

Aus gegebenem Anlass und weil ich gerade einen passenden Artikel bei Rabenmamablog gelesen habe, habe ich das Bedürfnis auch etwas zum Thema Kinder und Handys zu schreiben. Also von vorne:




Handys sind Alltag

Ich gebe es zu, ich verbringe auch viel Zeit am Handy. Abends vor dem Einschlafen nochmal durch Instagram scrollen, wenn das Kind verlangt, dass man beim Spielen auf dem Teppich durchweg daneben sitzt, mal schnell die Mails checken, unterwegs schnell eine WhatsApp an die Freundin. Ich möchte mein Handy nicht mehr aus meinem Leben wegdenken.

Auch im Bezug auf meinen Sohn, der ja nun erst 1,5 Jahre alt ist, bringt das Handy einige Erleichterungen mit sich. Ich achte darauf, dass das Kind kaum fernsieht. Morgens mal 10 Minuten Cailou, wenn ich mich fertig machen oder mal die Biene Maja auf YouTube. Das wars. Aber wir fahren sehr viel Auto. Mindestens einmal pro Monat fahren wir vom Schwarzwald nach Köln. Das sind 500km, das dauert so zwischen 4 und 9 Stunden. Da bin ich ehrlich gesagt froh, wenn ich Leon zwischendurch mal ein paar Folgen Peps Wutz oder Mascha und der Bär gucken lassen kann und finde das in solchen Ausnahmesituationen auch in Ordnung. Solange das nicht zum Alltag wird und mein Kind, so wie es bei Freundinnen der Fall ist, schon mit unter 2 Jahren anderthalb oder zwei Stunden fernsieht am Tag.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein eigenes Handy?

Nun aber zum eigentlichen Anlass dieses Artikels. Leons Schwester hatte Anfang Dezember Geburtstag. Sie ist jetzt 10 und wünschte sich schon lange ein Handy, aber es war immer klar, dass sie erst zum Wechsel auf die weiterführende Schule eins bekommt, denn dann fährt sie alleine mit Bus und Bahn und soll sich melden können, wenn irgendwas ist. Da man so ein Handy (zumindest bei uns) aber nicht mal eben einfach so bekommt, hat sie es nun eben schon jetzt von ihrer Mutter zum Geburtstag bekommen, bevor sie dann kommenden Sommer die Schule wechselt. Ich war mir nicht sicher, ob sie mit ihren 10 Jahren schon reif genug ist für den Umgang mit einem Handy und die ersten Tage haben mir gezeigt, dass sie noch viel lernen muss, was den Umgang betrifft.

Der richtige Umgang

Natürlich ist sie stolz, ihrem Papa und mir nun täglich Nachrichten bei WhatsApp zu schicken und freut sich riesig, wenn ich ihr mal ein Video ihres Bruders, den sie so wahnsinnig vermisst, schicke. Doch dass Nachrichten auch relevanten Inhalt haben sollten, das ist ihr noch nicht so klar. Quantität statt Qualität scheint ihr Motto zu sein, doch ich denke, das lernt sie schon, wenn wir es ihr vormachen. Wenn wir ihr Nachrichten schicken, wenn es sinnvoll ist oder ihr wirklich etwas mitteilen wollen, dann wird sie lernen, wann es Sinn macht, dieses Medium zu nutzen.

Doch etwas anderes macht mir noch Sorgen: Ich bekam von ihr folgende Nachricht (die gleiche bekam übrigens auch ihr Papa und ihr Opa, es scheint ihr also wirklich wichtig gewesen zu sein):

"Ich habe eben der S. (Ihrer Freundin) geschrieben, dass ich kurz was erledigen muss, danach habe ich ihr wieder geschrieben, aber jetzt antwortet sie nicht mehr und ignoriert alle meine Nachrichten. Ich bin echt traurig jetzt" 

Auf meinen Einwand, dass sie vielleicht jetzt selbst was zu erledigen hätte und nicht auf ihr Handy schaut, bekam ich nur die Antwort

"Nein, das hätte sie mir gesagt, da bin ich bin 100% sicher". 

Jetzt saß also dieses 10-jährige Mädchen in ihrem Zimmer und war nahezu verzweifelt, weil ihre Freundin ihr nicht antwortete und sie sich sicher war, dass diese das mit voller (böser) Absicht tat. Ich bewegte mich irgendwo zwischen Mitleid und Kopfschütteln. Eins war klar, Leons Schwester musste die "Chat-Kultur" noch lernen, nämlich dass man nicht durchweg auf sein Handy schaut und innerhalb von Sekunden antwortet, sondern dass es auch noch ein richtiges Leben gibt, auf das der Fokus liegen sollte und man deshalb eben auch mal später auch Nachrichten antwortet. Und etwas anderes gehört auch noch dazu, nämlich dass Kommunikation via Medien viel schwerer ist als face-to-face. Man nimmt keine Mimik, Gestik oder Intonation wahr. Das erschwert die Rezeption der Nachricht, sprich, man hat es viel schwerer, sie so zu verstehen, wie der andere sie gemeint hat. Ein Beispiel:

Nehmen wir die einfache Nachricht "Ich gehe jetzt". Wenn ich diese Nachricht lese, frage ich mich: Ist das einfach nur eine Information? Ist der andere sauer auf mich und will deshalb die Konversation beenden? Erwartet der andere von mir eine Antwort auf diese Aussage? Stünde ich der Person bei dieser Aussage gegenüber, wäre es viel leichter all dies zu entschlüsseln. Man merkt, Handy-Kommunikation ist irgendwie harte Arbeit.

Die Eltern sind gefragt

Doch sind all das nun Argumente, die dagegen sprechen, einer 10-Jährigen ein Smartphone zu schenken? Ich glaube nicht. Ich glaube aber, dass damit einiges an Verantwortung für die Eltern einhergeht. Sie müssen kontrollieren, wofür das Kind das Handy nutzt, sie müssen sichergehen, dass das Kind den Umgang mit dieser anderen Form der Kommunikation verstehen lernt. Und für uns hat das Handy auch ein paar Vorteile:


  • Mein Mann kann nun viel öfter mit seiner Tochter kommunizieren, es stärkt also die Bindung der beiden, die sich leider nicht so oft sehen
  • Sie lernt den Umgang mit Geld. Die 15€, die das Handy monatlich kostet, muss sie selbst tragen. Ob sie dafür Taschengeld, Erspartes oder Geburtstagsgeld investiert, bleibt ihr überlassen
  • Sie wächst in einer Gesellschaft auf, in der das Handy (mehr oder weniger) zwingend Teil des Lebens ist, so ist sie schon früh darauf vorbereitet.
Wie sehr ihr das? Handy für Kinder, ja oder nein? Wenn ja, ab wann?

Habt's fein und bis bald!

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