Sonntag, 25. Dezember 2016

Hyperemesis Gravidarum

Ich hatte vor meiner Schwangerschaft mit Leon ja durchaus schon von Schwangerschaftsübelkeit gehört. Aber irgendwie dachte ich immer: So schlimm kann das doch gar nicht sein!
Von Hyperemesis  hatte ich zu dem Zeitpunkt noch nie etwas gehört. Bis es mich traf, mich umhaute, mich völlig von den Füßen, aus der Bahn und aus meinem normalen Leben riss.
Man könnte denken, ich dramatisiere das Ganze grad ein bisschen. Aber es war eine der härtesten Proben, vor die ich bis dahin gestellt worden war.



Mir war schon übel, da wusste ich noch nicht mal, dass Leon unterwegs war. Es begann ungefähr in der 5. Schwangerschaftwoche und kurz darauf bestätigte mir der positive Schwangerschaftstest, was mir mein Magen schon zu sagen versucht hatte: "Hallo, du kriegst ein Kind! Lass uns ne Party feiern!" Mit Party feiern war aber nichts. Die ersten zwei Wochen war mir dauerhaft übel. nicht schlimm, aber eben die ganze Zeit. Mit Äpfeln, Mandeln und TUK-Keksen konnte ich dem ganzen einigermaßen Herr werden, solange ich sie immer in Griffweite hatte. Auf der Arbeit, beim Lernen, in der Uni. Solang ich aß, ging es. 

Doch dann wurde es schlimmer. Ich begann, mich zu übergeben. Anfangs nur 1-2 Mal am Tag, doch irgendwann steigerte es sich auf bis zu 15 Mal pro Tag. Ich behielt nichts mehr drinnen. Ich musste schon während der Mahlzeiten aufspringen und auf Toilette rennen. Manchmal konnte ich nicht einmal stillen Wasser bei mir behalten. Man kann sich das wirklich nicht vorstellen, außer man erlebt es. Die Übelkeit und das Erbrechen bestimmen plötzlich den kompletten Tagesablauf. Man wird schwach, man kann sich nicht mehr konzentrieren. Ich recherchierte viel im Internet. Fand Foren zum Thema Hyperemesis Gravidarum, der schlimmsten Form der Schwangerschaftsübelkeit und erkennte mich in den Geschichten dort absolut wieder.



Ich hielt lange durch, doch nachdem ich in der 14. Schwangerschaftswoche (von wegen, nach dem ersten Trimester wird alles besser!) an einem Tag zweimal umgekippt war, ging ich ins Krankenhaus. Ich aß eigentlich nichts mehr. Zum Frühstück eine halbe Scheibe trockenes Brot, Mittags maximal 5 Nudeln. Das wars. Wasser höchstens ein paar Schlucke über den tag verteilt und die blieben meistens sowieso nicht drinnen. Ich bekam Infusionen und mit Flüssigkeit und Glucose, um irgendwie meinen Kreislauf fit zu halten. Ich lag nur dort, konnte nicht aufstehen, mich nicht auf Gespräche konzentrieren. Nix ging. ich blieb fast zwei Wochen in stationärer Behandlung. 



Erst dann konnte ich mit einem Jahresvorrat Vomex und der Option, mir täglich beim Frauenarzt Infusionen geben zu lassen, nach Hause entlassen werden. Ich hatte bis dahin 6kg verloren. Deshalb sah man lange nichts von der Schwangerschaft, was mich natürlich wahnsinnig traurig machte (Das Bild oben entstand im 6.Monat!). Diese schlimme Form der Übelkeit hielt ungefähr bis zur 18 Woche an. Danach wurde es besser. Mir war zwar noch bis zum Ende der Schwangerschaft oft übel, aber zumindest musste ich mich nicht mehr dauerhaft übergeben. 

Als ich am Tag der Geburt mein Kind in den Armen hielt, wusste ich wofür ich diese ganzen Strapazen auf mich genommen hatte. Dieses kleine Wesen war es absolut wert gewesen, zu kämpfen, nicht aufzugeben, durchzuhalten, aber leider hat diese Krankheit mir die schönste Zeit der Schwangerschaft deutlich getrübt.

 

1 Kommentar:

  1. Ohje, das klingt alles andere als angenehem!

    Allerliebste Grüße,
    HOLYKATTA

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