Sonntag, 4. Dezember 2016

Stillen - Fluch oder Segen

Für mich war von Anfang an klar: Wenn ich kann, dass stille ich voll. Muttermilch enthält alles, was das Kind braucht, ich habe sie immer dabei, muss sie nicht aufwärmen und Stillen bietet maximale Nähe zwischen mir und meinem Kind.

Leider war das Stillen am Anfang ziemlich anstrengend. Es dauerte ewig. Leon trank nur an einer Seite wirklich konsequent und es dauerte Ewigkeiten, bis sich meine Milchmenge auf ein normales Maß reguliert hatte.

Aber dann war es wunderbar. Eigentlich sogar noch besser. Leon trank pro Mahlzeit nur an einer Seite und jede Mahlzeit dauerte 5-7 Minuten. Dann war Leon für die nächsten 2-3 Stunden satt. So stille ich zwar relativ häufig, dafür aber nicht lange. Andere Mütter beneideten mich dafür. Sie selbst saßen oft 30 Minuten oder länger pro Stillmahlzeit irgendwo.







Was mich störte, war, dass ich mich für jedes Stillen irgendwohin zurückziehen musste. Wenn wir unterwegs waren, stillte ich im Auto, auf Behindertentoiletten oder Nebenräumen. Da mir das zu lästig war, begann ich nach ca. 6 Wochen einfach überall zu stillen. Ich legte mir ein Spucktuch über Schulter und Baby und so waren wir vor neugierigen Blicken geschützt. ich stille nun am Strand, im Restaurant, in der Bahn. Wir ernteten manchmal komische Blicke, aber das war mir egal. Mein Kind hatte Hunger und dagegen tat ich was, ohne mich isolieren zu müssen.

 

Was mich jedoch frustrierte, war, dass ich rund um die Uhr da sein musste. Leon verweigerte Fläschchen. Weder Milchpulver noch abgepumpte Muttermilch konnte ich ihm mit der Flasche füttern. Auch bei anderen verweigerte er dies konsequent. Ich begann, meine Freiheit zu vermissen. Mal 2 oder 3 Stunden rausgehen und das Kind bei Oma oder Papa lassen. Keine Chance, denn Leon könnte ja Hunger bekommen.

Ich habe Leon 4 Monate voll gestillt, dann begannen wir mit Beikost. Doch Leon war anfangs ein durchaus schlechter Esser. Es dauerte Ewigkeiten bis wir soweit waren, dass eine Mahlzeit voll ersetzt war. Also konnte ich ihn immer noch nicht für eine gewissen zeit woanders lassen, um mal etwas Zeit für mich zu haben.

Mit 7 Monaten nahm Leon dann von einem auf den anderen tag plötzlich doch das Fläschchen, als hätte er nie etwas anderes gemacht. ich hatte ihm immer mal wieder etwas angeboten, doch nun nahm er es zum ersten mal. Und genauso beschloss ich, von einem auf den anderen sah, abzustillen und von nun an Fläschchen zu geben. Leon störte es überhaupt nicht. Er war mit der Flasche genauso zufrieden wie mit der Brust.

 

Es fühlte sich so gut an. Es gab mir etwas wieder, was ich lange vermisst hatte. Unabhängigkeit. Wenn auch nur für ein paar Stunden, ich konnte mal raus gehen, ich konnte Leon mal bei Oma und Opa lassen. Zu der Zeit war ich so weit, dass ich mir sicher war, beim zweiten Kind von Anfang an nicht stillen zu wollen.

Mit nun knapp einem Jahr Abstand zum Stillen, sehe ich das nicht mehr so. Stillen ist wundervoll. Es ist ein Segen, wenn es klappt, auch wenn es bestimmte Einschränkungen mit sich bringt. Ich kann mich glücklich schätzen, dass es bei uns so gut geklappt hat und wünsche mir, es irgendwann noch einmal erleben zu dürfen.

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