Montag, 13. Februar 2017

Bin ich als Mutter besser als Papa oder Oma?

Puh, der Blogtitel ist ja schon Provokation in Reinform, aber entspricht leider der Wahrheit. Also, ob es tatsächlich der Wahrheit entspricht, versuche ich hier mal zu erörtern, aber Fakt ist, irgendwie denke ich das schon.

Bei uns ist es so. Ich war von Anfang an hauptsächlich für Leon zuständig. Das lag wohl vor allem daran, dass mein Mann 5 Tage die Woche nicht zuhause war. Wenn er dann am Wochenende bei uns war, übernahm ich trotzdem fast alle Aufgaben, die mit unserem Sohn zu tun hatten. Die Handgriffe saßen und ich war es eben so gewöhnt. Als Schreikind konnte ich Leon auch die ersten Monate quasi an niemanden abgeben und tief in meinem Inneren war ich glaub ich auch noch gar nicht so weit.

Aber bin ich deshalb auch direkt besser als der Papa oder die Oma (oder Tante oder Erzieherin) im Umgang mit meinem Sohn? 




Ich kenne meinen Sohn am besten

Ich weiß, wann er hungrig ist, wann er sich unwohl fühlt und was seine Gestik und rudimentär vorhandene Sprache meint. Ich kenne die Vorlieben meines Sohnes, ich weiß, was er am liebsten spielt, was er am liebsten frühstückt und wie er am besten einschläft. All das macht den Umgang mit Leon natürlich für mich sehr viel einfacher als für den Papa, der eben nicht genau weiß, dass Leon nach dem Mittagsschlaf immer erstmal einen Reiskeks möchte oder für die Oma, die nicht daran gewöhnt ist, dass Leon nicht gerne auf dem Schoß sitzt und dann unruhig ist. Aber all das sind Dinge, die man sich durch Gewohnheit durchaus aneignen kann. Das macht mich also nicht besser als die anderen.

Ich weiß, was gut für mein Kind ist

 Ich habe meine Prinzipien in der Erziehung. Leon bekommt zum Einschlafen ausschließlich seinen Kuschelbär und nichts anderes, kein Kuschelkissen, keine Trinkflasche, keine Armee von Kuscheltieren, denn all das lenkt ihn nur vom Schlafen ab. Leon darf auch (abgesehen von wenigen Ausnahmen) ausschließlich Wasser trinken, denn er soll trinken, um den Durst zu löschen, nicht weil es so gut schmeckt und den zusätzlichen Zucker in Saft und Limo möchte ich auch vermeiden, den Zähnen und dem Gewicht zuliebe. Leons Oma sieht das alles aber ganz anders. Andere Kinder sind immerhin auch groß geworden, obwohl sie Saft trinken dürften. Die Sache ist aber eben die: Nur weil wir unterschiedliche Einstellungen zur Kindererziehung haben, ist der eine nicht besser als der andere. Im Gegenteil, vielleicht ergänzen sich untere Prinzipien wunderbar, wenn wir uns darüber austauschen. Wichtig ist doch nur, dass wir uns gegenseitig akzeptieren. Das heißt für mich, dass ich auch mal ein Auge zudrücke, wenn Leon ausnahmsweise bei Oma Apfelschorle trinkt, aber mich auch durchsetze, wenn ich nicht möchte, dass Leon den dritten Schokokeks gereicht bekommt.


Ich bin Leons wichtigsten Bezugsperson

Leon hat zwar kein Problem damit, mal bei Oma und Opa zu übernachten und dreht sich meistens nicht nochmal nach mir um, wenn ich gehe, aber wenn es hart auf hart kommt, ist Mama die Nummer Eins. Wenn er sich wehgetan hat, wenn er Angst hat oder er sich unwohl fühlt, weil immer zuerst nach Mama gefragt. Aber auch hier muss ich immer wieder sagen: Das macht er nicht, weil ich besser bin als Papa und Oma, Tante oder Schwester.  Das macht er weil er es gewohnt ist, weil ich seine Bezugsperson bin, die immer da ist, wenn er mich braucht, weil ich ihn vom ersten Tag an in den Armen gewiegt und ihm seine Nahrung gegeben habe. Wäre ich nicht da, würde er sich eine andere Bezugsperson suchen, so schwer das auch für mich sein mag, mir das vorzustellen.



Egal, wie ich es drehe und wende, ich bin nicht besser als irgendwer anders. Warum aber fühlt es sich so an? Ich denke, es ist eine Mischung aus Liebe und Angst (oh, mann, klingt das kitschig). Ich denke, dieser Gedanke rührt daher, dass mein Sohn meine Nummer Eins ist, ich würde alles für ihn tun, alles für ihn aufgeben und nichts würde mich davon abhalten. Gefühlt würde niemand sich so für meinen Sohn aufopfern wie ich und deshalb MUSS ich doch besser sein als die anderen. Andererseits habe ich eben auch Angst davor, dass ich ersetzt werde, dass ich etwas falsch mache, dass ich nicht wichtig genug für mein Kind bin. Daraus resultiert der Gedanke oder die Hoffnung, dass das nicht passieren wird, wenn ich nur besser bin als die anderen Menschen in Leons Leben.



Also NEIN, ich bin nicht besser als Papa und Oma. Wir sind alle gleich gut. Ich habe ein paar Vorteile, dadurch dass ich Leon besser und länger kenn e und dass meine Erziehungsprinzipien nun mal ausschlaggebend sind, denn es ist mein Sohn. Und ich bin auch weiß Gott nicht undankbar. Ich bin unendlich glücklich und voller Dank, dass Leon Menschen in seinem Leben hat, die ihn lieben, genau wie ich das tue. Menschen, denen ich meinen Sohn anvertrauen kann, weil ich weiß, dass es ihm bei ihnen gut geht, auch wenn sie Dinge anders handhaben als ich. Und trotzdem freue ich mich insgeheim, dass ich doch noch die Nummer Eins in Leons Leben bin.

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