Samstag, 29. April 2017

Das Drama mit dem Haare waschen

Einige von euch werden es kennen (zumindest hoffe ich das): Es geht ab in die Badewanne. Das Kind ist begeistert, das Ausziehen kann gar nicht schnell genug gehen. Es wird in der Badewanne gespielt. Dann gehts ans Haare Waschen und das Drama nimmt seinen Lauf...


Das Kind weint, schreit, versucht, dem Wasserstrahl zu entkommen, windet sich. So war es zumindest bei uns. Das Baden war toll, bis ich mit der Brause kam. Inzwischen haben wir das Problem im Griff. Mit viel Ausdauer und Übung habe ich Leon dazu gebracht, das Haare waschen nicht nur zu ertragen, sondern freiwillig mitzumachen. Wie ich das gemacht habe?


Als es ganz schlimm war mit dem Weinen, habe ich die Brause erstmal ganz weggelassen. Das Shampoo habe ich mit einem Becher ausgespült. Das dauerte zwar lange, aber Leon hat das akzeptiert. Dabei habe ich in 90% der Fälle dafür gesorgt, dass kein Wasser in die Augen kommt. Nur ein oder zweimal pro Waschgang habe ich "aus Versehen" ein wenig Wasser auch übers Gesicht laufen lassen.


Dann habe ich angefangen, die Brause wieder anzumachen. Die ersten Wochen allerdings gar nicht in Leons Nähe. Ich habe sie einfach angemacht und laufen lassen. Nach einiger Zeit fand Leon das spannend. Er hat seine Becher darunter aufgefüllt und wenn ich ihn gebeten habe, seiner Quietschende die Haare zu waschen, hat er sie drunter gehalten. Irgendwann habe ich die Brause höher gehalten, sodass auch Leons Körper das Wasser abbekommt. Dabei bin ich von Zeit zu Zeit in Richtung Kopf gegangen. Erst habe ich das Wasser nur über den Hinterkopf laufen lassen und dann ab und zu auch mal so, dass das Wasser übers Gesicht läuft.


Und plötzlich (und wir reden hier von Wochen später) hat Leon freiwillig seinen Kopf unter die Brause gehalten. Er hat sich erschrocken und wollte schon weinen, aber ich habe nur laut gelacht und "Woooow" gerufen. Ich habe ihm gezeigt, dass es etwas Lustiges ist, wenn das Wasser ins Gesicht kommt. Und Leon? Der hat es direkt nochmal wiederholt und nochmal wiederholt und nochmal.



Und so haben wir uns langsam dem Haare waschen angenähert. Ganz ohne Zwang und Druck. Ich möchte, dass Leon so etwas wichtiges freiwillig macht. Immerhin wird er den Rest seines Lebens nicht drum herum kommen. Später, wenn er in den Schwimmkurs geht oder es mal keine Badewanne gibt, muss er damit auch zurecht kommen.

Wir sind mit dem langsamen und spielerischen Ansatz mal wieder am weitesten gekommen. Das ist natürlich keine Garantie dafür, dass das auch bei anderen Kindern so funktioniert, aber generell möchte ich euch raten: Nehmt die Ängste eurer Kinder ernst, lasst euch und euren Kindern Zeit, wenn ihr diese Ängste angehen wollt und vor allem: Vergesst nicht, dass eure Kinder keine kleinen Erwachsenen sind. Sie sind sensibel und brauchen eure Unterstützung auf ihrem Weg, mit der großen Welt fertig zu werden.

In diesem Sinne: Habt's fein und bis bald!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen