Dienstag, 3. Januar 2017

Fernbeziehung

Mein Mann und ich haben fast 3 Jahre eine Fernbeziehung geführt. 500km lagen zwischen uns. Gesehen haben wir uns nur am Wochenende und im Urlaub. Für mich nicht das schlechteste Beziehungsmodell.

 

Mein Mann ist vor ein paar Jahren für einen Job von Köln in den Schwarzwald gegangen. Planmäßig nur für ein paar Wochen. Schnell wurde aber klar, dass er dort die Chance auf eine langfristige Anstellung hat, also beschlossen wir dem Projekt Fernbeziehung eine Chance zu geben

Für mich gab es nur ein paar wichtige Kriterien. Auch wenn wir uns nicht sehen, besprechen wir alles wichtige. Der Partner muss trotzdem Teil des eigenen Lebens sein. So bestand ich auf eine tägliche Guten Morgen- und Gute Nacht-SMS und wir telefonierten, wann immer es etwas wichtiges gab. Es passierte zwar auch, dass wir mal 3 Tage nicht telefonierten, aber das war auch ok (was viele nie verstehen konnten). Außerdem wollte ich, dass mein Mann jedes Wochenende nach Hause kommt. Es gab nur eine oder zwei Ausnahmen, wo das mal nicht möglich war. Ansonsten war er immer von Freitag Abend bis Sonntag Mittag da.

Die Fernbeziehung war die ersten Wochen wirklich schwer für mich. Ich habe oft sonntags geweint, wenn mein Mann losmusste und konnte ihn kaum verabschieden, aber nach einer Zeit habe ich mich dran gewöhnt. Aber die Aufregung, die einen schon ab freitags mittags durchströmte und die Freude, wenn man sich dann abends endlich sah und in die Arme schließen konnte, die war immer besonders. Es war ein bisschen so wie früher bei den ersten Dates. Man fragte sich, wie er wohl heute aussah, man machte sich hübsch, damit der andere sich auch freut, einen zu sehen. Das hielt die Beziehung irgendwie jung.

Ein weiterer Vorteil: Wir waren beide wirklich beschäftigt. Mein Mann arbeitete 12-14 Stunden jeden Tag. ich war Vollzeit-Studentin mit 3 Nebenjobs und ebenfalls kaum Zuhause. Wenn man dann abends spät heim kam, konnte man sich ganz auf sich selbst konzentrieren, das erledigen, was zu tun war und seinem eigenen Rhythmus folgen. Die wenige Zeit, die man hatte, musste man nicht noch für den Partner "opfern". Klingt irgendwie hart, aber es war gut so. Und wenn wir unter der Woche alles schon geregelt hatten, hatten wir am Wochenende viel Zeit füreinander, ohne irgendwelche Ablenkungen.

Wenn ich mal eine Auszeit brauchte von meinem Leben, bin ich manchmal für eine Woche zu meinem Mann in den Schwarzwald gefahren. Die Zeit, die wir dann zusammen verbracht haben, diese außergewöhnliche Situation, dass ich bei ihm war und nicht er bei uns, hat gut getan. Und nach ein paar Tagen konnte ich wieder mit aufgetankten Reserven und der einen oder anderen neuen Inspiration zurück in mein "normales" Leben fahren.

 

Trotzdem entschieden wir uns nach über 3 Jahren, dass die Beziehung auf Distanz keine Option mehr für uns war. Wir hatten inzwischen einen 9 Monate alten Sohn, der seinen Vater kaum sah. Durch die Elternzeit war ich flexibel genug, einen Cut zu ziehen und ein Leben woanders neu zu beginnen. Also John Leon und ich zu meinem Mann in den Schwarzwald. Wir hatten nun einfach andere Prioritäten und heute können wir, wenn wir jeden Abend nebeneinander einschlafen stolz zurückblicken und sehen, was unsere Beziehung aushalten kann, wie stark unsere Verbindung ist. Darauf bin ich stolz.

 

Habt ihr auch schonmal in einer Fernbeziehung gelebt? Hat es funktioniert? Versteht ihr die Vorteile, die ich darin gesehen habe?

Habt's fein und bis bald!

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