Donnerstag, 12. Januar 2017

Geburtsbericht Leon

Bis vor kurzem habe ich in der Nähe von Köln gewohnt, mein Mann jedoch im Schwarzwald. Was das für die Geburt unseres Kindes bedeutete, wird ganz bald deutlich werden. 


Es war Sonntag, der 03.05.15. 4 Tage vor dem errechneten Geburtstermin von Leon, unserem ersten Kind. Mir ging es prächtig. Wir hatte den Tag zuvor noch groß bei Ikea eingekauft, unser Wohnzimmer neu eingerichtet und ich hatte, insofern der große Babybauch das platztechnisch zuließ, ohne Einschränkungen beim Aufbau geholfen. Sonntags nachmittags dann fuhr mein Mann, wie immer, mit dem Zug in den Schwarzwald zurück, wo er bis Freitags bleiben würde. Wir sahen uns immer nur am Wochenende. Wir hatten ausgemacht, dass ich ihn anrufe, wenn die Wehen losgehen. So eine erste Geburt dauert ja normalerweise 8-12 Stunden. Mit dem Auto wäre Stephan in 4 Stunden da. Sollte also alles zu schaffen sein. 



 




Da ich furchtbar müde war (ich war eigentlich die ganze Schwangerschaft furchtbar müde), legte ich mich schon gegen 18:00 Uhr schlafen. Um kurz nach 9 wachte ich auf und hatte Rückenschmerzen. Auch nix neues mit dem riesigen Babybauch. Ich wälzte mich also nach links und rechts, doch irgendwie wurde es nicht besser. Ich vermutete eine Blasenentzündung, denn die letzte, in der 15. SSW, fühlte sich ähnlich an. Ungefähr zwei Stunden später bemerkte ich dann, dass die Rückenschmerzen relativ regelmäßig kamen. Dass das was mit Wehen zu tun haben könnte, kam mir aber irgendwie nicht in den Sinn (ist ja auch total abwegig, so 4 Tage vor ET). 



Gegen 02:00 Uhr fing ich dann doch mal an, Abstände zu messen. Alle 5-6 Minuten. Und heftiger wurden die Schmerzen auch. Ich musste durchaus mal stehen bleiben und mich abstützen. Aber es war alles auszuhalten. Ich hielt mich aber zurück, meinen Mann anzurufen, denn wäre es falscher Alarm, würde ich ihn ja unnötig wecken. Gegen 4 Uhr rang ich mich dann doch dazu durch. "Hey Schatz. Ich hab so blöde Rückenschmerzen. Ich bin mir nicht sicher, ob das Baby kommt. Ich werde jetzt mal ins Krankenhaus fahren. Ich rufe dich nochmal an, was die Hebamme da sagt." 


Gesagt, getan. Taxi gerufen. Los geht's. Der Taxifahrer sagte noch:" Sie müssen bestimmt zum Bahnhof, oder? Sonst bestellt man sich morgens kurz nach 4 doch kein Taxi." Er wurde dann ein wenig nervös, als ich ihm sagte, wo ich wirklich hinwollte und er unter der dicken Fleecejacke den Grund entdeckte. 

Gegen 4:45 Uhr war ich im Krankenhaus. Ich sagte der Hebamme, dass ich nicht sicher sei, ob ich ne Blasenentzündung oder Wehen hätte und sie schloss mich ans CTG an. Nix zu sehen. Keine einzige Wehe. Aber inzwischen war ich doch ziemlich am jammern vor Schmerzen. Die Hebamme untersuchte mich dann. Sie guckt mich an, grinst und sagt: "was schätzen sie denn?" Ich flehte sie an, nix von nem Fehlalarm zu sagen. Und sie sagte ganz trocken: "Fehlalarm? Wir sind bei 9cm. Das Baby kommt. Jetzt." 

Ich war perplex. Das geht nicht. Mein Mann bräuchte noch 3,5 Stunden. Die Hebamme sagte mir später, sie hätte Angst gehabt, dass ich nicht mitarbeiten wollte, um die Geburt zu verzögern, bis der zukünftige Papa da ist. Ich rief dann aber Stephan an. Sagte ihm zwar, dass es kein Fehlalarm sei, verschwieg ihm aber, dass das Baby sofort käme. Ich wollte nicht, dass er mitten auf der Autobahn noch nervöser wird. Das schwierigste war, während der Wehe zu telefonieren, ohne mir was anmerken zu lassen. 

Dann rief ich noch meine Mama an. Ich wollte unter Geburt nicht alleine sein. 5 Minuten später war sie da. Auf Mama ist einfach immer Verlass. Jetzt ging es schnell. Die Schmerzen waren heftig, aber nicht unmenschlich. Kurz bevor es soweit war, fragte ich nach nem Schmerzmittel. Leider zu spät. Bis hierhin hatte ich alles im Stehen gemacht. Nun setzte ich mich auf den Geburtshocker. Meine Beine waren sowieso völlig kaputt und am zittern. Mit Mama direkt hinter mir, presste ich ein paar Mal und -zack- flutschte mein Würmchen der Hebamme in die Arme. 

 

Am 04.05.15 um 7:06 Uhr, zwei Stunden, nachdem ich das Krankenhaus betreten hatte, hielt ich einen kerngesunden Jungen in den Armen. 3250g schwer, 50cm groß. Die frischgebackene Oma schnitt die Nabelschnur durch und der Papa dürfte am Telefon die ersten Schreie vom kleinen Leon hören. 

 

In der Zeit bis der Papa dann endlich da war, wurde ich genäht und weiter versorgt. Der kleine Superman war mit der rechten Faust zuerst gekommen und hatte "unterwegs" so ziemlich alles zerstört, was ging. Um kurz nach neun waren dann Mama, Papa und Baby Leon endlich vereint. Für mich trotz fehlendem Papa eine wundervolle Geburt. 

 

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