Samstag, 28. Januar 2017

Helikopter-Mum undercover: Eigentlich bin ich wie alle anderen

Oft loben mich andere: "Du bist immer so gelassen" oder "Ich finde es toll, dass du dein Kind ausprobieren lässt". Ich gebe mir viel Mühe so zu sein, doch eigentlich schlummert auch in mir die Helikopter-Mum.




Schon vor Leons Geburt hatte ich eine Vorstellung davon, was für eine Mutter ich sein wollte. In Sachen Erziehung sollte für mich der Grundsatz gelten "So viel wie nötig, so wenig wie möglich". Ich möchte, dass mein Kind die Welt selbst entdeckt, dass er Erfahrungen macht. Das bedeutet natürlich, dass ich ihn auch mal irgendwo hoch klettern lassen, auch wenn es nicht ganz kindersicher ist. Das bedeutet, dass er selbst essen darf, auch wenn das eine riesige Mauschelei und fast täglichen Renovierungsbedarf der halben Wohnung bedeutet. Es bedeutet auch, dass mein Sohn mal einen Tag bei der Patentante oder eine Nacht bei der Oma verbringen kann und nicht immer nur bei Mama sein muss. Aber natürlich kann mein Kind nicht machen, was es will. Es gibt auch hier Regeln. Aber im Rahmen dieser Grenzen soll Leon sich eben frei bewegen und ausprobieren dürfen.

So weit die Theorie. In der Praxis sieht das ganze dann doch etwas anders auch. Obwohl, nein, das ist falsch ausgedrückt. Eigentlich sieht die Praxis genauso aus, aber mein Gefühlschaos dahinter, auch anderthalb Jahre nach der Geburt, habe ich so nicht erwartet.
Ich stehe immer noch 100% hinter den Leitprinzipien, die ich mir anfangs gesetzt habe. Mein Kind DARF aufs Klettergerüst klettern, er MUSS nicht andauernd an Mamas Rockzipfel hängen, und er KANN sich dreckig machen. Einfach, weil ich finde, dass es das Beste für ihn ist. Aber das Beste für das Kind bedeutet eben nicht auch das Beste für die Mama.

Ich gebe es zu. Wenn mein Kind zu dreckig ist, ziehe ich ihn um. Ich mag Dreck einfach nicht. Deshalb gibt es hier auch schonmal 2-3 Kleiderwechsel am Tag.



Außerdem habe ich kaum eine ruhige Minute, wenn Leon bei Oma und Opa übernachtet oder bei seiner Patentante den Bodensee unsicher macht. Ich frage mich andauernd, ob alles in Ordnung ist. Isst er ordentlich? Hoffentlich wechseln sie ihm oft genug die Windel, er ist doch so empfindlich. Was ist, wenn er nicht schlafen kann? Wissen sie, wie sie ihn wieder beruhigen, wenn er weint?

Und auch, wenn Leon die Welt erkundet, klettert, rennt und springt, bin ich nicht die Ruhe in Person, die ich zu sein scheine. In mir tobt nahezu die blanke Panik. Er könnte hinfallen, er könnte sich ernsthaft verletzen. Was ist, wenn ich nicht rechtzeitig zur Stelle bin, um ihn aufzufangen oder einen Unfall zu vermeiden?



Ja, das ist die Wahrheit. In mir steckt genauso viel Helikopter-Mum wie in vielen anderen Müttern. Der Unterschied: Ich mache das mit mir selbst aus. Meine Unsicherheit und Angst darf nicht auf den Schultern meines Kindes lasten. Er soll die Welt entdecken. Er soll frei sein, er soll wild sein und so viel ausprobieren, wie er nur möchte. Ich werde ihn dabei unterstützen und mir weiterhin die Lobesreden anhören, wie gelassen und ruhig ich doch im Bezug auf meinen Sohn bin. In meinem Inneren aber wohnt weiterhin die Helikopter-Mum.

Kommentare:

  1. Ein wirklich sehr schöner Beitrag. Ich selbst habe noch keine Kinder und kann demnach nicht mitreden, lese mir aber gerne Erfahrungen anderer durch :)

    Alles Liebe,
    Janine

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    1. Schön, dass du dich trotzdem interessierst :)

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