Freitag, 9. Juni 2017

Noch einmal Kind sein?

Vor einiger Zeit habe ich auf einem anderen Blog (leider weiß ich nicht mehr, wessen Blog das war) einen Artikel gefunden, der einen ähnlichen Titel hatte. In diesem Fall war es auf das Kindsein in der Online-Welt bezogen. Das hat mich dazu inspiriert, mich allgemeiner mit dieser Frage zu beschäftigen. Wie war meine Kindheit? Wäre ich gerne nochmal Kind? Es gibt Argumente dafür und auch einige dagegen. Aber was kommt am Ende unterm strich raus?

Noch einmal Kind sein

Kindliche Begeisterung

Kennt ihr die leuchtenden Augen eines Kindes, wenn der Opa ihm die ersten Töne auf der Mundharmonika vorspielt, wenn ein Vogel vorbeifliegt oder es sich über ein Stück Schokolade freut. Es können die ganz kleinen Dinge im Leben sein, die ein Kind erfreuen, begeistern, fesseln können. Diese kindliche Begeisterung kann aus nahezu jeder Situation heraus entstehen und hält oft eine ganze Weile an. Ich finde das toll, dieses einfache, spontane begeistert Sein. Manchmal wünsche ich mich, ich wäre noch so. Einfach Begeisterung für etwas haben, ohne die Ursachen zu hinterfragen, ohne Ablenkung, ohne Nachdenken über das, was danach kommt oder davor war. Das Sehen der kleinen Dinge, das wir im Laufe des Erwachsenwerden zwar nicht vergessen, aber doch ein wenig verlernen.

 

Heile Welt

Wäre es nicht schön, wenn wir noch einmal so leben könnten, als gäbe es keinen Krieg und keine soziale Ungerechtigkeit. Es wäre doch toll, sich keine Gedanken über die eigene finanzielle Situation machen zu müssen; nicht über Rechnungen, Versicherungen oder Verträge. Nicht über gesellschaftliche Hierarchien, nicht über Politik oder Klima. Wir können all diese schlimmen oder anstrengenden Dinge im Leben nicht ausblenden. Ein Kind aber lebt noch ganz befreit von diesen Gedanken. Es sieht die Welt noch als etwas unbeschwertes und hat durch diese Sicht vielleicht eine viel klarere Sicht auf die Dinge, als wir Erwachsene es je noch einmal haben könnten.

Offenheit und Unbefangenheit

Kinderfreundschaften sind einfach. Man mag sich, man hat gleiche Interessen oder man trifft sich einfach zufällig und schon ist man befreundet. Da ist es egal, wo das andere Kind herkommt, welche Kultur es hat oder welchen sozialen Status. Ähnlich ist der kindliche Umgang mit Andersheit. Habt ihr mal ein Kind beobachtet, wie es einem Menschen mit Behinderung begegnet? Da ist keine Ablehnung zu spüren, kein Mitleid. Meist ist da nur Neugier, warum dieser Mensch anders ist als man selbst. Dabei ist das Anders Sein aber gar nichts negatives. Es ist einfach nur da. Gerne erinnere ich mich daran, wie man als Kind mit so etwas umgegangen ist und versuche dies auch als Erwachsener noch umzusetzen, denn gerade in der heutigen Zeit, in der Verschiedenheit nor Normalität wird (oder werden muss) ist das eine ganz wichtige Eigenschaft.


Lieber nicht noch einmal Kind sein

Gestiegene Anforderungen

Habt ihr nicht auch das Gefühl, das von Kindern heute viel mehr verlangt wird? Da gibt es im Kindergarten schon Englischunterricht, da wird dem Kind schon in der 1. Klasse eingetrichtert, dass es sich anstrengen muss, um aufs Gymnasium zu kommen, da zählen ausschließlich Schulnoten und Beurteilungen. Der Druck der heute auf den Schultern unserer Kinder lastet ist gefühlt mindestens eine Tonne schwer. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich dem absetzen wollen würde.

Selbstbestimmung genießen

Ich mag es, frei zu sein. Frei von Fremdbestimmung, zumindest teilweise. Ich kann anziehen, was ich möchte und niemand zwingt mich diese oder jene Hose oder Jacke anzuziehen. Ich kann ins Bett gehen, wann ich möchte, essen, was ich möchte. Ich kann rausgehen, ohne jemandem Bescheid zu geben und niemand fordert mich auf, mein Zimmer aufzuräumen (ok, an dieser Stelle hat mein Mann teilweise die Rolle meiner Mutter übernommen). Ihr versteht aber, worauf ich hinaus will. Natürlich habe ich als Kind diese Führung, diese Fremdbestimmung gebraucht, aber nun bin ich froh, dass ich selbst entscheiden kann und diese Freiheit möchte ich ungern noch einmal hergeben.

 

Mehr von der Welt verstehen

Warum ist die Banane krumm? Wie entsteht ein Regenbogen? Warum gibt es Krieg? Und wo ist Oma, wenn sie tot ist? Es gab so viele Fragen, auf die man als Kind keine Antwort, keine ausreichende Antwort oder keine verständliche Antwort bekam. Ich bin gerne informiert und wenn ich etwas nicht weiß, recherchiere ich gerne so lange, bis ich es voll und ganz durchschaut habe. Es gibt mir ein Gefühl von Kontrolle, wenn ich Dinge weiß und verstehe. Diese Fähigkeit, mir wissen selbstständig und vollständig aneignen zu können, möchte ich nicht mehr missen.

Fazit

Nein, ich möchte nicht noch einmal Kind sein. Ich genieße die Fähigkeiten und Möglichkeiten, die ich als Erwachsene habe. Trotzdem tut es gut, sich bewusst zu machen, welche Eigenschaften und Möglichkeiten man vermisst, die man als Kind so noch hatte und zu versuchen, diese im Alltag umzusetzen. Zumindest im Herzen ein wenig Kind sein, ja das klingt gut.

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