Donnerstag, 2. Februar 2017

#Rabenmutter: Ich bin eifersüchtig auf die Erzieherin meines Kindes

Eigentlich war für heute ein ganz anderer Artikel geplant, aber es gibt da ein Thema, dass mir schon länger auf der Seele brennt, aber gerade so akut ist, dass ich da dringend was loswerden muss. Da kam mir die Blogparade von Irgendwas abgespielt gerade zum rechten Zeitpunkt. Unter dem Titel "Mama spricht Klartext" sammelt sie Artikel von Müttern über die Dinge, die normalerweise nicht ausgesprochen werden, die aber trotzdem vielen auf der Seele brennen und ich denke meins ist eins davon.



Also spreche ich es aus:

Ich bin eifersüchtig auf die Erzieherin meines Kindes!


So, jetzt möchte ich das auch erklären. Leon geht nun seit einigen Monaten in die Kita. Er fühlt sich dort wahnsinnig wohl. Es war absolut die richtige Entscheidung ihn mit einem Jahr und 4 Monaten dort hinzugeben. Hier könnt ihr nochmal nachlesen, warum wir uns für eine Kita entschieden haben. Seit Leon dorthin geht, ist er ausgeglichener. Die anregende Umgebung, die anderen Kinder, mal etwas anderes sehen als immer nur Mama. Das tut meinem Kind gut. Bei anderen Kindern mag das nicht so sein, bei uns ist es eben so. Nur Mama und Zuhause ist nicht genug für Leon.
Anfangs ging Leon nur vormittags hin, seit Dezember isst er dort auch zu Mittag und macht seinen Mittagsschlaf in der Kita. Seit Februar bin ich im Referendariat, was bedeutet, dass Leon täglich von 7-14 Uhr bzw. sogar von 7-16:30 Uhr in der Kita betreut wird. Das muss leider sein, damit ich meine Ausbildung beenden kann. Aber auch das ist in Ordnung, denn ich weiß, dass Leon in der Kita glücklich ist und gut betreut wird.

Aber wo kommt jetzt die Eifersucht ins Spiel?


Das ist so: Leon liebt seine Bezugserzieherin. er nennt sie "Mimi" und den ganzen Tag geht das zuhause so: "Mimi?" , "Mimi?" , "Mimi?" Wenn Leon sich morgens nicht anziehen will, muss ich ihm nur sagen, dass wir gleich zu Mimi in den Kindergarten gehen und -zack- hilft er mit. Genauso läuft das beim Zähneputzen, Wickeln oder Frühstücken. Den ganzen Tag über fragt er immer wieder nach seiner Mimi. Und jedes "Mimi" verpasst meinem Mama-Herz einen kleinen Stich.

Der Höhepunkt des Ganzen: An einem Morgen waren wir spät dran, Leon wollte sich nicht die Zähne putzen lassen. Es endet (mal wieder) in Geheul, aber es muss ja sein. Als Leon fertig ist, läuft er schluchzend aus dem Badezimmer und weint nach seiner "Mimi". Beinahe hätte ich mitgeweint. Er ruft nach "Mimi", weil ich die böse Mama bin, die ihm die Zähne putzen will. Er möchte sich zu Mimi flüchten, nicht zu Mama. 

Da keimt in mir, egal wie sehr ich mich dagegen wehre, die Eifersucht. Mag mein Sohn seine Erzieherin lieber als mich? Ist es ein Fehler, ihn so viel abzugeben? Fehlt ihm etwas, in seiner Beziehung zu mir, seiner Mama?



Beherrsch dich, Julia!

Es ist so meine Art. Ich nehme alles persönlich. Und das ist der Fehler! Nur, weil Leon seine Erzieherin (sehr) gerne mag, heißt das nicht, dass er mich nicht liebt. Nein, ich bin sicher, dass mein Kind weiß, dass Mama und Papa die wichtigsten Bezugspersonen in seinem Leben sind. Wir zeigen ihm immer, dass er unser Mittelpunkt ist und auch er zeigt uns immer wieder, in seinen kleinen kindlichen Gesten, mit vielen Küssen und Kuscheleinheiten, mit seinem Wunsch, in unserer Nähe zu sein, dass er uns liebt. Das darf ich nicht vergessen, nur weil Leon seine Erzieherin auch sehr gerne hat.

Die Situation akzeptieren

Es ist ja auch kein Wunder, dass Leon so fixiert auf seine Erzieherin ist. Er verbringt wahnsinnig viel Zeit mit ihr. Er ist ihr Anker, wenn es im großen Kindergarten, mit den vielen Kindern mal zu viel wird. Man sollte schließlich nicht vergessen, dass so ein kleines Kind mental wahnsinnig viel verarbeiten muss, wenn es im Kindergarten ist. Das ist harte Arbeit und seine Erzieherin hilft ihm, zurecht zu kommen. Und im Endeffekt habe ich es doch auch so gewollt. Ich habe mein Kind in die Welt gesetzt und wusste, dass es früh in die Kita gehen muss, damit ich mein Referendariat machen kann. Ich wusste, dass das eine zeitliche und räumliche Trennung jeden Tag bedeutet und dass mein Sohn dann eben bei anderen Menschen ist, die Bezugspersonen für ihn sind. Selbst schuld, Julia!

Dankbar sein

Statt mich gerade in solchen Situationen, die ich oben beschrieben habe, nicht von meiner Eifersucht auffressen zu lassen, um nicht traurig und missgünstig zu sein gegenüber der Erzieherin, ermahne ich mich zur Dankbarkeit. Es ist toll, dass Leon im Kindergarten, wenn Mama und Papa nicht da sind, jemanden hat, dem er vertrauen kann, der ihn gut behandelt und den er mag. Die Erzieherinnen leisten jeden Tag eine wahnsinnige Arbeit, um es unserer Kinder recht zu machen, um sie glücklich zu machen und machen dabei fast immer mehr als nur ihren Job.

Ich denke, es ist ok. Es ist ein Zeichen von Mutterliebe, wenn ich ein bisschen eifersüchtig bin auf die gute Beziehung von Leon zu seiner Erzieherin. Genauso werde ich bestimmt irgendwann mal eifersüchtig sein, wenn mein Sohn eine Freundin hat, wenn er eine Ehefrau findet, die die Nummer 1 in seinem Leben wird. Das ist doch ganz normal, oder? Man darf eben nur nich da drin steckenbleiben, sondern sollte sich glücklich schätzen, dass das eigene Kind auch andere Menschen in seinem Leben hat, die es liebt und die ihn lieben.

In diesem Sinne:

Make Love - Not Jealousy




Kommentare:

  1. Hallo Julia,

    bin hier zufällig via Facebook drübergestolpert.

    In diesem Jahr beginnt für mich die Ausbildung zum Erzieher richtig. Und da finde ich gerade deinen Artikel interessant. Irgendwie kann ich dich verstehen, dass du eine gewisse Eifersucht verspürst. Ich hätte es nur nie bedacht, dass sowas tatsächlich aufkommen kann.

    In meiner zweijährigen Ausbildung zum Sozialassistent hab ich immer wieder nach meinen Praktika gehört, dass Kinder mich vermisst haben oder Zuhause von nichts anderem mehr reden. Ich glaube, das häbgt viel damit zusammen, mit wem die Kinder sympathisieren und wer gerade zu einEm Vorbild geworden ist. Aber Mama und Papa kommen sicher immer wieder an erster Stelle. :)

    Deine Offenheit zu dem Thema ist dennoch gewinnbringend für mich, da ich es wie gesagt von dem Blickwinkel noch nicht betrachtet habe.

    Liebe Grüße
    Henrik

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  2. Hallo Henrik,
    Danke für den ausführlichen Kommentar. Interessant, zu lesen, wie "die andere Seite" das sieht.
    Liebe Grüße,
    Julia

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  3. Hallo Julia,

    wie sind denn die Abschiedsszenen, wenn der Kindergarten vorüber ist?
    Freut sich Leon dann, dich zu sehen oder mag er gar nicht gehen und bei seiner Mimi bleiben?
    Ich kann mir gut vorstellen, dass er sich auf dich freut. Du bist ihm sehr wichtig, aber dich kennt er halt schon so lange. Mimi ist noch "neu" und daher "besonders". Denk mal an ein neues Spielzeug: Zuerst interessant, man will dauernd damit spielen. Nach einer Weile ist es aber zur Gewohnheit geworden.
    Vielleicht entwickelt sich das mit Mimi ebenfalls so.

    Viele Grüße,
    Yvonne

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    1. Hey Yvonne,
      Mal springt er mir in die Arme, mal will er lieber im Kindergarten bleiben. Aber ich denke, es ist eben ganz normal. Kindergarten ist ja auch besonders. Mit all den tollen Spielsachen und vielen Kindern.

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  4. Hooo...das ist mir als Erzieherin auch schon öfters passiert,dass man die Eifersucht der Eltern spürte. Aber es gibt echt kein Grund dazu. Wir machen nur unseren Job und ihr sollt die Eifersucht in etwas positives drehen. Euer Kind fühlt sich wohl. Ihr könnt mit gutem Gewissen Arbeiten gehen.

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  5. Huhu!
    Ich kann deine Gefühle absolut nachvollziehen, denn gerade in der Anfangszeit, wenn die Kinder abgegeben werden, ist das ja alles noch neu, so auch für dich! Lass die Gefühle ruhig zu und lerne, damit umzugehen. Ich finde es immer interessant, mich dabei selbst zu beobachten :)
    Herzliche Grüße
    Gianna

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