Mittwoch, 26. April 2017

Strikt geradeaus oder 100 Umwege?

Ja, das ist wieder so eine der essentiellen Fragen des Lebens. Suche ich den schnellsten und effektivsten Weg zu einem Ziel, das ich fest im Blick habe, oder gehe ich viel eher über viele Zwischenstationen und Umwege, um schlussendlich zu einem Ziel zu gelangen, dass ich zu Beginn der Reise noch gar nicht wirklich im Blick hatte? Ist ein Weg besser als der andere und woher weiß ich das?



Ich persönlich bin eher Typ Umwege. Ich weiß grob, in welche Richtung es gehen soll und dann gehe ich los. Vielleicht dauert der Weg etwas länger, wenn ich viele Extraschleifen laufe, aber meistens hat jeder dieser Schritte auch einen enormen Mehrwert für mich und mein Leben. Ich gebe euch mal ein paar Beispiele aus meinem Leben.

Beginnen wir mal mit den klitzekleinen Dinge im Leben, die die eigentlich total unwichtig sind, aber uns trotzdem irgendwie beschäftigen. So habe ich fast 1 Jahr gebraucht, um die passenden Schlafanzüge für meine Sohn zu finden. Strampler, Spieler mit Fuß und ohne Fuß, mit Knöpfen oder mit Reißverschlüssen oder doch der klassische Zweiteiler. Aber dann mit Knöpfen vorne oder ganz ohne? Jedes Mal, wenn ich ein neues Modell ins Auge gefasst habe, bin ich losgezogen und habe diverse neue Teile gekauft, nur um kurze Zeit später doch wieder etwas neues auszuprobieren. Schlussendlich sind wir beim klassischen Zweiteiler geblieben. Einfach anzuziehen, gut zu kombinieren, wenn mal was schmutzig ist und bekommt man überall.




Es gibt aber auch Beispiele, die bedeutender sind. So habe ich nach der Schule angefangen, Lehramt zu studieren, aber auf meinem Weg durch Studium bis hin zur fertig ausgebildeten Lehrerin, habe ich viele Umwege um andere Jobs gemacht. Ich war viele Jahre lang Fitnesstrainerin, dann habe ich eine Ausbildung zur Dozentin in der Notfallausbildung gemacht und unzählige Erste-Hilfe-Kurse gegeben.  Ich bin auch einige Zeit mal Putzen gegangen. Schlussendlich bin ich aber trotzdem zu dem zurückgekommen, was ich gerne mache. Unterrichten. Mit Kindern arbeiten. Mein Studium hat zwar etwas länger gedauert, aber die vielen Zwischenstationen haben mich bestätigt, das das was ich mir ausgesucht habe, das, was ich für den Rest meines Lebens machen möchte, der Lehrerberuf ist.

Und zum Schluss noch ein Beispiel meine Beziehung betreffend. Es gab kein klassisches Kennenlernen, Zusammenziehen, Heiraten, Kinderkriegen. Viel eher war es so: Kennenlernen, Patchworkfamilie, Zusammenziehen, doch nicht zusammenziehen, doch zusammenziehen, Fernbeziehung, Heiraten, Fernbeziehung mit Baby, Zusammenziehen 500km weg von Zuhause. Aber jetzt bin ich da, wo ich hingehöre und sein will. Mit Mann und Kind im Schwarzwald. Die ganzen Umwege haben mir gezeigt, was ich im Familienleben brauche, um glücklich zu sein (und das ist nicht viel) und vor allem, weiß ich, was meine Beziehung alles aushält.


Ihr seht also, ich gehe viele Umwege, komme trotzdem an mein Ziel und bin glücklich damit. Aber ganz so einfach ist das nicht immer. Wer viele Umwege geht, droht vom eigentlichen Weg abzukommen, das Ziel aus den Augen zu verlieren, irgendwann verirrt da zu stehen und nicht mehr zu wissen, wohin es geht.Die Folge können Frustration und Angst sein. Deshalb hilft es mir, einen groben Plan zu entwickeln, bevor ich mich auf die Reise mache. Und wenn ich mal nicht mehr weiß, wohin ich gehen soll, besinne ich mich darauf. Als ich vor lauter jobben mein Studium aus dem Fokus verlor, musste ich mich daran erinnern, dass ich eigentlich Lehrerin werden wollte. Ich wollte Kinder unterrichten und das schafft man nicht, wenn man während des Studiums 5 Tage die Wochen Fitnesskurse gibt und am Wochenende Erste Hilfe unterrichtet. Dann heißt es: Kursänderung, etwas an der aktuellen Situation ändern, um dem Endziel wieder einen Schritt näher kommen.

Mein Mann ist da ja eher der strikt zielstrebige Typ. Wenn er sich etwas vornimmt, wird das sofort umgesetzt. Schule - Studium - Beruf. Direkt geradeaus und die Umwege auf ein notwendiges Minimum reduzieren. Im Kleinen ist er auch so. Er möchte ein Bild aufhängen, also direkt los in den Baumarkt, Befestigungsmaterial besorgen und noch am gleichen Tag hängt das Ding. Ich hingegen würde möglicherweise Tage brauchen, bis das Bild an der Wand hängt, einfach weil ich nebenbei noch. andere Dinge mache.

Im Leben muss man wohl ausprobieren, welcher Weg der richtige für einen ist. Vielleicht ändert sich die persönliche Einstellung auch im Laufe des Lebens oder je nach Ziel, das man verfolgt. Entsprechend passt man seine Lebensweise dann wohl an, aber bis dahin freue ich mich weiter über die 1000 kleinen Dinge, die ich auf meinen Umwegen entdecke.

Und ihr? Typ Umweg oder Typ strikt geradeaus? Und warum? Gibt es Ausnahmen?

Habt's fein und bis bald!

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