Freitag, 6. Januar 2017

Trennungkind? Wie viel Eltern braucht das Kind

 

Wir sind Patchwork. Das ist schwierig. Aber es ist auch wirklich bereichernd. Doch was bedeutet es für ein Kind, wenn es seine Eltern nicht jeden Tag sieht. Wie sehr leidet es darunter? Ich habe mir anhand unserer Situation mal ein paar Gedanken dazu gemacht.


Leons Schwester ist jetzt 10 Jahre alt. Ungefähr seit ihrem 1. Geburtstag sind ihre Eltern getrennt. Es hat einfach nicht gepasst. Das bedeutet, dass sie sich eigentlich nicht daran erinnern kann, dass ihre Eltern je ein Paar waren. Sie kennt es nicht anders, als dass sie mal bei Mama und mal bei Papa ist.

Mein Mann und seine Ex-Partnerin hatten es klassisch geregelt. Ihr Kind lebt bei der Mutter, ist jedes 2. Wochenende beim Papa und die Ferien werden geteilt. Das hat gut funktioniert. Da wir nur ca. 40 km auseinander wohnten, konnte mein Mann auch immer da sein, wenn Elternsprechtage anstanden, Feiern im Kindergarten waren oder mal etwas wichtiges Anderes war.

Seit einem halben Jahr leben wir nun im Schwarzwald. Mein Mann lebt damit 500km weg von seiner Tochter. Wir haben uns vor dem Umzug lange überlegt, was das für die Vater-Tochter-Beziehung bedeutet. Alle zwei Wochen konnten sie sich nicht mehr sehen. Wir einigten uns darauf, einmal im Monat übers Wochenende nach Köln zu kommen. Die Ferien bleiben weiterhin geteilt und sie kann uns hier im Schwarzwald besuchen. Doch reicht das? Ist das genug, um eine gesunde Vater-Kind-Beziehung aufrecht zu erhalten? Verpasst mein Mann zu viel vom Leben seiner Tochter?

Es ist schwierig und eine richtige Antwort gibt es darauf wohl nicht. Fakt ist, mein Mann verpasst einiges. Gerade erst war der 10. Geburtstag seiner Tochter und er konnte nicht da sein. Außerdem beginnt gerade die Suche nach einer weiterführenden Schule. Auch da muss er sich voll auf das Urteil  der Mutter verlassen. Das ist hart. Aber wir merken: Es ist härter für meinen Mann als für seine Tochter. Sie hat ihr gesamtes soziales Umfeld um sich herum. Ihre Freunde, die Großeltern. Außerdem ist sie es gewohnt, dass der Papa nicht jeden Tag da ist.

Eine große Hilfe sind für uns Handy und PC. Sie hat eine eigene E-Mail Adresse und wir schicken uns oft Nachrichten. Außerdem telefonieren wir mindestens einmal pro Woche, eher öfter, per Video. Da kann sie uns neue Dinge erzählen und zeigen und wir erzählen ihr, was es bei uns so neues gibt.
Zum Geburtstag hat sie nun auch ein eigenes Handy bekommen. Jetzt gibt es ab und zu eine kurze Nachricht per WhatsApp. Schön, um zu zeigen "Hey, ich denke an dich".

Etwas schwierig ist es, wenn sie nach längerer Zeit dann wieder bei uns ist. Hier gibt es andere Regeln und Verhaltensweisen im Familienleben. Es ist eine wahnsinnig anspruchsvolle mentale Leistung für so ein Kind, umzuschalten und sich so zu verhalten, dass man in das jeweilige Familiengebilde, in dem man sich gerade befindet, hineinpasst. Das funktioniert nicht immer. Da braucht man dann die richtige Mischung aus Konsequenz und Nachsicht, damit es klappt.

Was auch ganz wichtig ist: Die Kommunikation zwischen beiden getrennten Elternteilen. Man versteht sich nicht immer so gut, wie man das als Eltern sollte. Umso wichtiger ist es, sich auf das zu fokussieren, was wichtig ist: Das Kind. Alles was das Kind betrifft, muss abgesprochen werden. Schule, Gesundheit, Erziehung, Probleme. Nur wenn beide Bescheid wissen, kann man im Sinne des Kindes handeln.

Ich bin also folgender Meinung: Das Kind sollte so viel wie möglich von seinen Eltern haben, aber wenn es nun man nicht möglich ist, dass das täglich der Fall ist, sollte man das Beste daraus machen. Kinder sind stark. Dennoch müssen gerade solche Kinder genau beobachtet werden, um zu sehen, wie sie mit der ihnen vorgegebenen Situation zurechtkommen. Sein Kind nicht täglich zu sehen, bedeutet also für den Elternteil NICHT weniger Verantwortung.

Wie seht ihr das? Wie handhabt ihr es, falls ihr betroffen seid?

Habt's fein und bis bald!

1 Kommentar:

  1. Hmm ich kann mir vorstellen das dies nicht so einfach ist. Dennoch finde ich es besser wenn die Mutter überwiegend bei seinem Kind ist.

    Lg Jasmin

    AntwortenLöschen