Donnerstag, 4. Mai 2017

#Dankbar: Gutes Benehmen

Man redet ja immer schlecht von der heutigen Jugend. Die können sich nicht benehmen, die haben keine Manieren und schon gar keinen Respekt. Ich habe als Kind einige Dinge von meinen Eltern und vor allem von meinen Großeltern mitgegeben bekommen, die ich auch an mein Kind weitergeben möchte. Ich möchte bzw. ich erwarte viel eher, dass Leon höflich und respektvoll wird. Ich bin unglaublich dankbar, dass meine Familie in meiner Erziehung viel Wert auf gutes Benehmen gelegt hat, auch wenn mir so manche Maßregelung damals echt nervig vorkam. Auf folgende Dinge kommt es mir in Sachen Benehmen besonders an:

Tischmanieren:

Das fängt schon bei den kleinen Dingen an. Beim Tischdecken liegt die Gabel links und das Messer rechts vom Teller. Beim Essen stützt man den Kopf nicht auf der Hand ab. Man schlürft seine Suppe nicht und kratzt nicht wie wild das Dessertschälchen aus. Es wird nicht geschmatzt und mit den Lebensmitteln sorgsam umgegangen. Ich finde aber durchaus, dass man z.B. mit Essen spielen darf. Mahlzeiten sollen positive gemeinsame Momente im Tagesverlauf sein und das bedeutet, dass man auch mal Blödsinn mit seinem Essen machen darf und es macht mir auch nichts aus, wenn Leon sich beim Spaghetti Bolognese Essen von oben bis unten einsaut. Es darf eben nur nicht so ausarten, dass andere sich bei ihrem Essen belästigt oder angeekelt fühlen.

Bitte/Danke:

Es ist ganz einfach. Wenn man etwas bekommt, sagt man Danke. Wenn man etwas gibt oder etwas haben möchte, sagt man Bitte.Das übe ich schon lange mit Leon, auch wenn er gerade erst zwei Jahre alt ist und sein Wortschatz sich auf ein paar wenige Worte beschränkt. Mir ist es wichtig, dass ich Leon ganz konkret vorlebe, in welchen Momenten, man Bitte und Danke sagt.

Aufstehen für Ältere:

Das ist natürlich nur ein Beispiel, was zur Kategorie Respekt gehört. Wenn ich im Bus oder in der Bahn einen Sitzplatz belege und dafür jemand Älteres, ein Behinderter oder eine Schwangere stehen muss, dann ist das ein Unding. Es ist selbstverständlich, dass man dann aufsteht und den Platz freigibt. Als ich mit Leon schwanger war, bin ich morgens oft mit der bahn zur Uni gefahren. Die Bahn war immer fürchterlich voll und stickig und mehr als einmal ist mir schwindelig geworden, weil ich so lange stehen musste, was mit 8-Monats-Babybauch durchaus anstrengend ist. Eigentlich nie hat mir jemand einen Sitzplatz angeboten und mein Bauch war wirklich nicht zu übersehen. Hier ist es aber tatsächlich so, dass das Klischee zuzutreffen scheint. Vor allem die Jugendlichen von heute scheinen es nicht mehr für nötig zu halten, Plätze für Menschen freizugeben, die sie brauchen. Oder seht ihr das anders?

Sie/Du:

Aaah, da werde ich irre, wenn jemand das nicht auf die Reihe bekommt. Mein Mann sagt im Geschäft zum Beispiel: "Habt ihr auch Jeans in Größe xy?" Ich versuche ihm seit Jahren beizubringen, dass es "Haben SIE auch Jeans...?" heißt, aber das versteht er irgendwie nicht. Es ist eine Sache von Respekt, dass ich ältere, fremde oder mir übergeordnete Menschen sieze. Das DU wird einem von den entsprechenden Personen dann ggf. angeboten, ansonsten bleibt es beim Sie. Gerade im Job finde ich es manchmal schwierig, dass so schnell zum Du übergegangen wird, denn diese Form des Ansprechens nimmt Distanz und die tut einem manchmal ganz gut. Vor allem, wenn man fachliche Auseinandersetzungen hat, lassen die sich mit etwas Distanz meiner Meinung nach besser führen. Und "Sie Arschloch" sagt sich halt auch nicht ganz so leicht wie "Du Arschloch".

Türen aufhalten:

In der 5. Klasse auf dem Gymnasium erklärte eine Lehrerin unserer ganzen Klasse, dass man als Mann der Frau die Tür aufzuhalten hat. Eine Mitschülerin nahm das wortwörtlich und als sie nach über 15 Minuten nicht vom Klo zurückkam, ging jemand gucken und fand sie draußen vor der Tür. Sie wartete, dass ein Junge ihr die Tür aufhielt. Das ist natürlich nicht Sinn der Sache, aber ich mag das Klischee vom Mann als starkes Geschlecht und das demonstriert das Türe Aufhalten ja auch so ein bisschen. Außerdem ist es auch hier wieder ein bisschen eine Sache von Respekt. Außerdem gehört es sich einfach so. Fertig.

Fester Händedruck:

Das ist etwas, das mich in der Grundschule wirklich stört. Bei uns ist es Standard, dass sich Schüler und Lehrer zu Schulbeginn und am Ende die Hand schütteln. Doch die Schüler halten einfach nur ihre Hand hin. Kaum einer drückt richtig zu. Meine Oma hat mir damals beigebracht, dass man einen Händedruck immer feste erwidern soll. Damit zeigt man Selbstbewusstsein und die Bereitschaft mit jemand in Kontakt treten zu wollen, wohingegen das lasche Händeschütteln mehr Motivationslosigkeit anzeigt. Deswegen ist mir der feste Händedruck so wichtig.

All diese Dinge hat mir vor allem meine Oma beigebracht und diese konsequent umgesetzt. Aber natürlich habe ich einen Großteil meiner (wie ich finde) sehr guten Manieren von meinen Eltern mitbekommen. Sie haben mir vorgelegt, wie man sich in der Gesellschaft verhält. Ich bin auch der Meinung, dass das der Grund war, warum ich z.B. immer der Liebling von potenziellen Schwiegereltern war. Ich wusste, wie ich mich verhalten musste, um nett, höflich, unaufdringlich und respektvoll zu wirken.

Also Danke liebe Eltern und Großeltern.

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