Dienstag, 9. Mai 2017

Dinge, die wir besser mal in der Schule gelernt hätten

"Die Leute sind ja auch dumm. In der Schule lernen sie Plutimikation, aber sich was Lustiges ausdenken, das können sie nicht"  (Pippi Langstrumpf)

Astrid Lindgren lässt Pippi Langstrumpf hiermit doch etwas ganz Interessantes sagen. Wir lernen in der Schule so viele Dinge, aber manchmal habe ich das Gefühl, die Dinge, die man im Leben wirklich braucht, die lernen die Kinder nicht. Ich habe mir mal Gedanken gemacht, welche Dinge ich gerne in der Schule gelernt hätte:


  • Wie mach Wäsche wäscht, so dass sie richtig sauber wird und ohne dass sie sich verfärbt oder einläuft 
  • Welche Versicherungen ich als Erwachsener brauche
  • Was ist eine Mahnung und warum sollte ich vermeiden, eine zu bekommen? Wie reagiere ich, wenn ich doch mal eine erhalte?
  • Welche Kosten auf mich zukommen, wenn ich einen eigenen Haushalt führe
  • Wie bekomme ich Rotweinflecken aus einem Teppich?
  • Wie man seinen eigenen "Marktwert" feststellt und den beim Chef durchsetzt
  • Sich zurechtfinden, auch wenn Google Maps/ das Navi mal ausfällt
  • Wie man seine Steuererklärung macht
Ich denke, ihr versteht, worauf ich hinaus will. Wir lernen in der Schule Vektor-Rechnung statt zu wissen, wie ich mein monatliches Geld so einteile, dass ich den ganzen Monat damit auskomme. Ich lese Literaturklassiker in 3 verschiedenen Sprachen, verstehe aber kein Wort in einem Miet- oder Arbeitsvertrag. Man hat das Gefühl, die Kinder werden in der Schule nicht auf das echte, richtige Leben vorbereitet. Sie lernen "unnützes" Zeug, das sie nie wieder brauchen statt wirklich Greifbares, das gezwungenermaßen im Leben auf sie zukommt.

Grundsätzlich fühle ich mich im Leben auch so. Bis ich damit konfrontiert war, hatte ich keine Ahnung von einer Steuerklärung (ok, um ehrlich zu sein, machen das heute mein Mann und das Steuerprogramm) und es hat mich einige Nerven gekostet, mich einzulesen, welche Versicherungen oder Altersvorsorgen sinnvoll für mich sind und wie ich, verdammt nochmal, meinen Teppich wieder sauber bekomme.  Hat also das Schulsystem komplett versagt? Die Schule soll doch aufs Leben vorbereiten. Warum also fühle ich mich bei den ganz alltäglichen Dingen überfordert, hilflos und absolut unwissend?

In solchen Momenten bin ich froh, dass ich auch auf der "anderen" Seite des Bildungssystems stehe, auf der Lehrerseite, als Vertreter der Bildungspläne. Ich wäre nicht Lehrerin geworden, wenn ich nicht glauben würde, dass die Schule eine sinnvolle Institution ist. Es stimmt, ich habe bisher viele der Inhalte nicht gebraucht, aber ich habe in der Schule das Lernen an sich gelernt. 

Ich habe gelernt, wie man sich Inhalte selbst erarbeitet. Ich habe gelernt, nicht aufzugeben, auch wenn ich etwas nicht verstehe. Ich habe gelernt, dass ich Leistung erbringen muss, um Ziele zu erreichen. Ich habe gelernt, meine eigenen Fähigkeiten einzuschätzen, um Hilfe zu bitten, wenn ich nicht weiter weiß, und zu wissen, wer mir mit Fachwissen weiterhelfen kann. Ich kann logisch kombinieren, ich kann wichtige Inhalte aus Texten herausfiltern, ich kann meine Zeit einteilen, die ich brauche, um Dinge zu erarbeiten und ich kann unter Druck Ergebnisse liefern. All das hätte ich nicht gelernt, wenn ich das in der Schule nicht gelernt, geübt und immer wieder angewandt habe. 

Die neuen Lernformen, vor allem in offenen Lernsituationen, in denen Kinder Lernzeit, Lernort, Lerninhalte oder Lernwege hauptsächlich selber bestimmen können, fördern genau das. Die Fähigkeiten, sich Dinge, die man nicht weiß und kann, selbst anzueignen, sodass sie nachher wissen, wo sie es lernen, auch wenn sie in der Schule nie das Wort Steuerklärung gehört haben (Obwohl sie dank offener Lernformen theoretisch die Möglichkeit dazu hätten, das auch in der Schule zu lernen, aber ich denke, dazu muss ich mal einen eigenen Artikel schreiben)

Also es stimmt: Die Kinder bekommen in der Schule kein Handbuch für das richtige Leben in die Hand, aber guter Unterricht bereitet sie trotzdem auf das Leben vor und das ist doch das Wichtigste.

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