Samstag, 25. März 2017

Ist die Ehe eine Zweckgemeinschaft und Romantik nur der Bonus?

Ich habe einen Freund, den ich nur ganz selten treffen, aber wenn wir uns sehen, philosophieren wir gerne über die wildesten Dinge. Diesmal ging es unter anderem darum, ob die Ehe hauptsächlich eine Zweckgemeinschaft ist. Ich bin sehr glücklich verheiratet und trotzdem sage ich: JA, die Ehe ist eine Zweckgemeinschaft und Romantik ist nur der Bonus.

Spinnt die?!

Auf den ersten Blick widerstrebt mir dieser Gedanken. Wir leben in einer Zeit, in der die Basis jeder Beziehung zwischen Mann und Frau die Liebe ist und auch meine Ehe basiert darauf, aber wenn man es sich mal genau überlegt, dann ist der Hauptteil meiner Ehe eben doch die Zweckgemeinschaft.

Pro Zweckgemeinschaft:

Im Mittelalter war Liebe nicht die Grundlage für eine Ehe:

Wenn wir in der Zeit weit zurückgehen, war es durchaus nicht üblich, dass das Fundament der Ehe die Liebe ist. Man heiratete, weil die Eltern das wollten, weil es einen wirtschaftlich besser darstellte, weil es die eigene Position in der gesellschaftlichen Struktur stärkte oder um die Familie abzusichern.  Noch heute ist es in anderen Kulturkreisen ganz normal, dass man nicht unbedingt aus Liebe heiratet und damit meine ich noch nicht mal arrangierte Zwangsehen in afrikanischen oder asiatischen Ländern, sondern Frauen und Männer, die sich freiwillig zur Hochzeit entscheiden, ohne sich vorher ineinander verliebt zu haben.

Geben und Nehmen:

Ein weiteres Argument dafür, dass die Ehe eine Zweckgemeinschaft ist, ist doch, dass immer ein Geben und Nehmen herrscht. Bei uns ist es z.B. so, dass mein Mann bis vor kurzem noch Alleinverdiener war. Im Gegenzug kümmerte ich mich um den Haushalt und die Kindererziehung. So tragen wir alle dazu bei, dass unser Familiengebilde funktioniert. Es geht darum, dass alle von dieser Verbindung profitieren, in dem der Kosten-Nutzen-Vergleich zugunsten der Nutzen ausfällt.

Vereinfachter Alltag:

Das hängt ziemlich direkt mit dem Geben und Nehmen zusammen. Eine Ehe oder Lebensgemeinschaft vereinfacht den Alltag doch immens. Ich weiß, dass ich mein Leben mit meinem Sohn auch alleine hinkriegen würde. Ich würde es als Alleinerziehende vollzeit-arbeitende Mutter schaffen, wenn ich müsste, aber, wenn man die vielen Aufgaben des Alltags mit jemandem zusammen erledigen kann, dann ist es doch viel einfacher und entspannter. Grundlage dafür ist natürlich wieder, dass die Leistungen, die beide Ehepartner bringen einigermaßen gerecht verteilt sind, sodass nicht nur einer von der Gemeinschaft profitiert, während der andere einen riesigen Packen zu schleppen hat.

Irgendwann verblasst die rosarote Brille:

Es ist doch so. Am Anfang einer Beziehung ist alles rosarot. Wenn man an den Partner denkt, schwebt man auf Wolke 7, alles ist perfekt und unkompliziert, doch irgendwann verändert es sich. Man erkennt die Macken des anderen, man streitet sich, der Alltag kehrt ein. Aber die Sache ist die: Das bedeutet nicht das Ende der Ehe. Ehen funktionieren wunderbar, auch wenn man nicht mehr auf Wolke 7 schwebt, sondern vielleicht nur noch auf Wolke 4 (um Marv und Philipp Dittberner Tribut zu zollen).


Und trotz all diesen Aspekten dafür, dass die Ehe hauptsächlich eine Zweckgemeinschaft ist, darf für mich auch die Romantik nicht fehlen.

Pro Romantik:

Wille zur Zweckgemeinschaft:

Ich glaube, dass die Romantik in einer Ehe die Basis dafür ist, dass man zu einer Zweckgemeinschaft bereit ist. Eine Zweckgemeinschaft kann mir persönlich noch so viele soziale, gesellschaftliche oder finanzielle Vorteile bringen. Wenn ich mich unwohl in der Beziehung zum anderen Teil dieser Gemeinschaft fühle, dann möchte ich diese Beziehung nicht. Die Liebe zu meinem Partner bestärkt mich darin, die Zweckgemeinschaft zu wollen, meinen Teil dazu beizutragen und die Leistungen des anderen ohne schlechtes Gewissen anzunehmen.


Der Gedanke, jemanden zu haben, ohne den man alles schaffen kann, aber mit dem es einfach schöner ist:

Dieser Gedanke war in der Philosophie-Runde mit meinem Freund irgendwie der maßgeblichste. Ich brauche diese Gemeinschaft nicht zwingend. Aber es ist einfach cooler, all diese Dinge, die schönen, die schlimmen und die herausfordernden zusammen mit meinem Partner zu erleben. Ich möchte, dass er mit mir diese Zweckgemeinschaft bildet, aus der wir beide profitieren.

 


Diese ganze Auflistung von Argumenten ist wahnsinnig trocken und irgendwie ein bisschen absurd, wenn ich über die Beziehung zu dem Menschen rede, den ich wahnsinnig liebe und mit dem ich den Rest meines Lebens verbringen möchte, aber ich finde, man entdeckt gerade in solchen Gedankengängen auch immer wieder Aspekte an seiner Beziehung, die man oft so gar nicht sieht und wertschätzt. Ich persönlich könnte keine Beziehung ohne Liebe und ohne das Fünkchen Romantik führen, das ich im Titel als Bonus bezeichnet habe, aber im Endeffekt ist es das doch. 


Der Bonus, das große Glück, der Joker, der Hauptgewinn.

 

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