Montag, 13. März 2017

Mutter weiß mehr - Hätte ich das mal früher gewusst

Wie oft habe ich früher meine Mutter verflucht. Sie wusste dies besser, sie hat mir das verboten. Es hat genervt, ich fand es unnötig und besserwisserisch. Doch heute, mit vielen Jahren Abstand, muss ich sagen: Mutter weiß mehr. Mit so vielen Dingen hatte sie recht, heute mache ich viele Dinge ebenso wie sie und bin ihr sehr dankbar für das, was sie mir vorgelebt hat.

Gesunde Ernährung ist wichtig

"Iss auch dein Gemüse!"
"Du kannst doch nicht immer nur Schnitzel mit Pommes essen"

Ich konnte das nie verstehen. Ich wurde doch satt von meinem Schnitzel und mir ging es nicht schlecht davon, wenig Gemüse zu essen. Von Langzeitauswirkungen, Diabetes und Übergewicht wusste ich natürlich nur wenig. Heute bin ich schlauer. Ich weiß, dass Fett und Zucker vom Körper nicht gut verarbeitet werden können und Gemüse dem Körper wichtige Nährstoffe liefert und sorge auch dafür, dass mein Sohn sich ausgewogen und gesund ernährt. Doch irgendwann wird vermutlich auch mich fragen "Muss ich das Gemüse wirklich essen?"

Zu viel Fernsehen ist wirklich schlecht

Ich muss sagen, dass meine Eltern immer sehr liberal mit dem Thema Fernsehen umgegangen sind. Ich dürfte sehr früh selbst entscheiden, wie viel Fernsehen ich gucken wollte. Dafür haben meine Eltern oft Kritik geerntet. Aber auch sie haben kontrolliert, welche Sendungen ich geschaut habe, haben mir manche Filme verboten und auch irgendwann mal den Fernseher ausgeschaltet, wenn der Konsum zu ekzessiv wurde. Ich war oft sauer und konnte das nicht verstehen. Rückblickend macht es aber so viel Sinn. Ich erinnere mich an eine Situation. Ich muss so ungefähr 7 Jahre alt gewesen sein und habe die Sendung "Notruf" geschaut. Da wurden immer Unfälle und Notfallsituationen nachgestellt und dann die Rettungsaktionen von Feuerwehr und Rettungsdienst gezeigt. Ich schaute also eine Folge und plötzlich hörte ich ein Lautes Poltern aus dem Keller, wo meine Eltern gerade arbeiteten. Etwas fiel runter, ich hörte meine Mutter vor Schmerz aufschreien. Ich geriet in Panik und war sicher, dass meine Mutter sich schwer verletzt hatte. Ich weinte und rannte in den Keller, um meine Mutter bei bester Gesundheit vorzufinden. Ihr war nur etwas auf den Fuß gefallen. Ich Nachhinein weiß ich, dass mich das Schauen der altersgemäß unpassenden Sendung in diese Panik und Angst getrieben hat. Das ist nur ein Beispiel dafür, wie der (unkontrollierte) Fernsehkonsum einen beeinflussen kann. Heute achte ich sehr darauf, wie der Medienkonsum meines Sohnes aussieht. Er ist erst 1,5 Jahre alt, aber er wächst mit Medien auf und der Umgang damit wird für ihn in seinem Leben ganz normal sein. Deshalb finde ich, dass es keinen Sinn macht, ihn komplett davon fernzuhalten. Ich achte aber extrem darauf,  welche Sendungen, Filme oder Inhalte er sieht. Außerdem möchte ich nicht, dass er z.B. direkt vor dem Schlafengehen fernsieht, damit ihn die Inhalte beim Einschlafen nicht zu sehr beschäftigen und durcheinanderbringen.

Der Freundeskreis beeinflusst einen immens

Meine Eltern haben sich nicht einzumischen, mit wem ich befreundet bin. Außerdem entscheide ich selber, wie ich mich verhalte und welche Werte für mich wichtig sind. Meine Freunde beeinflussen das nicht. Ja, dieser Meinung war ich als Jugendliche. Heute weiß ich es besser. Gott sei dank musste ich selbst das nie auf schmerzliche Weise lernen. Meine Freunde waren nie "problematisch". Aber vor allem dadurch, dass ich mich in verschiedenen Freundeskreisen bewegt habe, kann ich aus heutiger Sicht sagen, wie sehr mich der jeweilige Kreis beeinflusst hat. Der eine Freundeskreis war oft unterwegs. Alkohol, Party, aber durchaus auch Schule und Lernen waren uns wichtig. Der andere Freundeskreis war "häuslicher". Familie stand im Mittelpunkt, ruhige Abende zuhause. Auch mein Kleidungsstil änderte sich deutlich, je nachdem mit wem ich unterwegs war. Irgendwann habe ich mich unbewusst eher für den häuslichen Freundeskreis entschlossen. Nicht, dass ich nie rausgegangen wäre und nichts mehr getrunken hätte, aber es hielt sich in Grenzen. Ich bin der Meinung, dass ich auch wegen der Entscheidung für den einen Freundeskreis relativ früh geheiratet habe, Mutter geworden bin, einen soliden Job gewählt habe. Es wird dadurch bestätigt, dass meine "Party-Freunde" fast alle noch keine Familie gegründet haben, eher karriereorientiert sind. Meine Eltern haben mir nie vorgegeben oder verboten, Zeit mit diesen oder jenen Freunden zu verbringen, aber ich denke, sie haben mit schon implizit mitgeteilt, welchen Lebensstil sie gutheißen, da sie wussten, was besser für mich und mein Leben ist. Und ich denke, sie haben mich in die richtige Richtung geleitet.

Es ist wichtig, sein Geld selber zu verdienen

Ich habe zu Schulzeiten in meiner Klasse mit Abstand das wenigste Taschengeld bekommen. 25€ im Monat gab es zwischen dem 14. und 18. Lebensjahr. Damit kann man keine Sprünge machen. Andere haben bis zu 100€ oder sogar mehr bekommen. Wenn ich mehr Geld wollte, musste ich es mir verdienen. Ich habe seit meinem 13. Geburtstag Nebenjobs gehabt. Später habe ich bis zu 5 Tage die Woche neben der Schule gearbeitet und so einiges an Geld verdient. Damit hatte ich nicht mehr Geld als die anderen, aber ich wusste, wie hart man arbeiten muss, wenn man sich etwas gönnen will. Entsprechen kann ich Luxus heute viel eher wertschätzen und bin bis heute froh darüber. Auch mein Sohn soll dies lernen. Ihm soll es natürlich im Leben an nichts fehlen, aber Luxusgüter soll er sich irgendwann auch selbst verdienen.

Mutter sein ist ein 24-Stunden-Knochenjob

Wenn ich auf meine Kindheit zurückschaue, hat meine Mama eigentlich nie Pause gemacht. Sie hatte einen Vollzeitjob. Nach der Arbeit hat sie sich um das Abendessen gekümmert, hat mit mir gespielt, mich fertig gemacht und ins Bett gebracht. Danach und am Wochenende hat sie den Haushalt gemacht. Sie hat sich nie beschwert und nicht geschwächelt. All das war für mich selbstverständlich. Erst heute, wo ich selbst Mutter bin, weiß ich, wie viel Arbeit das ist. Und ich war bisher in Elternzeit. Trotzdem ist man den ganzen Tag auf den Beinen. Haushalt, Aufräumen und Putzen. Wenn man fertig ist, fängt man wieder von vorne an. Dann Kochen, das Kind fertig machen, mehrmals täglich wickeln und umzuziehen. Spielen, kreative neue Beschäftigungsmethoden, raus gehen. Und niemand soll glauben, dass man einfach nur abwesend daneben sitzen kann, wenn das Kind spielt. Da muss aktiv mitgespielt werden. Außerdem ist man andauernd in Hab-Acht-Stellung, damit das Kind nirgendwo runterfällt, sich keinen Unsinn veranstaltet und nichts kaputt geht. Und dann wird man abends gefragt, warum man denn so kaputt sei. Man hätte doch den ganzen Tag nichts gemacht. Und nun habe ich mit meinem Referendariat selbst einen Vollzeitjob und merke: Wie soll ich das alles schaffen? Da muss man dann Prioritäten setzen, da ist tägliches Putzen, Staubsaugen etc. einfach nicht mehr drin, es muss alles gut geplant werden und vor allem bin ich dankbar, dass ich mir die Hausarbeit nun mit meinem Mann teilen kann, denn ein beide arbeiten gehen, muss eben auch die Hausarbeit geteilt werden, sonst ist das alles kaum zu schaffen.

Das sind nur ein paar Dinge, die meine Mutter mir schon so manches Mal gepredigt hat, die ich aber nie glauben wollte, bis ich erwachsen und selbst Mutter wurde. Heute tut mir das wirklich leid, aber ich denke, das ist ganz normal in der Beziehung zwischen Eltern und Kind und vermutlich werde ich für meinen Sohn auch bald die Besserwisserin und Spielverderberin sein. Aber wir wollen als Eltern doch immer nur das Beste für unser Kind.

Wie seht ihr das?

Habt's fein und bis bald!

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