Freitag, 3. März 2017

Kinder und Musik: Gastartikel von Opernsängerin Anna Lucia Richter Teil 1

Heute gibt es einen ganz besonderen Beitrag in unserer Reihe "Kinder und Musik". Die Konzert- und Opernsängerin Anna Lucia Richter, mit der ich damals aufs Gymnasium gegangen bin und die heute weltweit als Musikerin aktiv ist.Als ich sie gefragt habe, ob sie etwas zum Thema "Kinder und Musik" beitragen möchte, hat sie so ausführlich geantwortet, dass ich euch ihren Artikel in 2 Teilen zeigen werde. Heute geht es hauptsächlich um die soziale Komponente mit tollen Tipps zum Singen mit Kindern. Im 2. Teil geht es dann um die körperlichen und psychischen Auswirkungen, die das Singen auf die kindliche Entwicklung hat.



(Photo: Matthias Baus, über http://www.ks-gasteig.de/index.php/de/richter-download/file/121-anna-lucia-richter-portrait)


Als Julia mich fragte, ob ich Lust hätte, einen Beitrag zum Thema „Kinder und Musik“ beizusteuern, war ich sofort Feuer und Flamme. Als weltweit tätige Konzert- und Opernsängerin ist das Singen mein Metier und ein „Lebensmittel“,  so wichtig wie Essen, Trinken oder Atmen. Das allein macht mich natürlich nicht zur Spezialistin für Kinderstimmen oder das Singen mit Kindern und ich muss ganz offen gestehen: Eine Expertin bin ich nicht. Ich bin (bisher) keine Gesangslehrerin, habe keine wissenschaftliche Erfahrungen in der Stimmphysiologie oder im HNO-Bereich, aber: Die Stimme, das Singen ist mir sehr vertraut, ich habe selbst als Kind unendlich viel und mit großer Freude gesungen und ab dem neunten Lebensjahr im Chor und mit Einzelunterricht. Meine Mutter ist Kinderstimmbildnerin, in meinem Gesangsstudium habe ich Nebenfächer belegt wie Stimmphysiologie, Fachdidaktik usw. und mindestens genauso wichtig: Privat singe ich gerne mit meinem fünfjährigen Stiefsohn oder meiner dreijährigen Halbschwester und beobachte die beiden dabei ganz genau.


Noch etwas vorweg: Beim gemeinsamen Singen und Musik Machen mit den Kindern geht es ÜBERHAUPT nicht darum, dass sie später professionelle Musiker werden sollen und es soll keinerlei Druck entstehen. Aber das Singen zum Spaß tut allen Menschen so gut!

Ganz allgemein stärkt ein gemeinsames Singen natürlich enorm das Wir-Gefühl, ein Vertrauen. Das ist logisch. Oft ergeben sich Gespräche durch das Singen, die sonst niemals in Gang gekommen wären. Über den Kindergarten, über Geschichten, Fragen. Und auch die Kreativität wird kräftig angekurbelt. Wir haben viel Spaß dabei, zusammen eigene (teilweise völlig abstruse) Lieder zu erfinden. Unser Lieblingsspiel auf dem Spielplatz in der Nestschaukel: Er sagt drei Worte, die in dem Lied vorkommen sollen. Wir erfinden zusammen eine Geschichte und singen sie dann einfach. Manchmal ganz frei, manchmal auf Melodien von Liedern, die wir schon kennen. Manchmal singe ich auch das Lied und er erfindet eine Begleitung (tsch, tsch, tsch, für Eisenbahnen, rhythmische Folgen aus lautmalerischen Silben „Bum-tschak-plopp-paff“)


Aber auf was soll man denn nun achten, wenn man mit Kindern singt? Zuerst einmal: Die Freude steht im Vordergrund: Fühlt man sich selbst unwohl, fühlt es das Kind auch. Mama- und Papa-Stimmen müssen nicht laut oder klangvoll sein, lieber persönlich, privat und liebevoll. Je früher man beginnt, desto einfacher ist es auch für einen selbst: Während der Schwangerschaft oder wenn die Kinder noch sehr klein sind, (dann) werden sie noch nicht so schnell ungeduldig, wenn man einen Texthänger hat oder nicht mehr weiß, wie die Melodie weitergeht. Es ist also eine ganz gute Übezeit für später ;-) 

Und man hat vielleicht die Möglichkeit sich an Lieder aus der eigenen Kindheit zu erinnern. Ist da absolut tote Hose, kann man den Besuch von Oma/Opa/Freunden nutzen, sie zu fragen, was sie kennen. Das kann übrigens auch zu sehr lustigen spontanen Singrunden führen. Außerdem gibt es eine Unmenge an erschwinglichen Liederbüchern…so kann man sich jedenfalls gut ein „Repertoire“ für die aktive gemeinsame Singezeit ab dem zweiten Lebensjahr aneignen. Und ab dem Kindergartenalter werden dann sowieso viele Lieder aus dem Kindergarten nach Hause mitgebracht Allerdings nur, wenn es vorher schon normal ist, zu Hause zu singen. Singen ist also ganz toll für die soziale Entwicklung der Kinder.

Im 2. Teil des Beitrags erzählt Anna uns dann bald darüber, wie sich das Singen körperlich und psychisch positiv auf das Kind auswirkt. Seid gespannt! 

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