Dienstag, 2. Mai 2017

3 Monate Workingmum: Wie läufts?

Seit genau 3 Monaten schimpfe ich mich nun neudeutsch Workingmum. Vor drei Monaten habe ich mein Referendariat als Grundschullehrerin angefangen. Zeit für ein kurzes Fazit, wie es läuft.

Freizeit - Was ist das?


Ich habe mir vor dem Referendariat gedacht, dass das eine wahnsinnig anstrengende Zeit wird und schon jetzt, nach 3 Monaten, kann ich sagen: Ich hatte ja keine Ahnung. 12 Stunden Unterricht pro Woche, zusätzlich Besprechungen und Konferenzen. 15 Stunden Seminar jede Woche und gerade im ersten Ausbildungsabschnitt viele Sonderveranstaltungen. Oft komme ich erst nach 18 Uhr nach Hause. Dann essen wir gemeinsam, ich bringe Leon ins Bett, setze mich dann noch 3-4 Stunden an den Schreibtisch und falle, nicht selten nach Mitternacht, totmüde ins Bett. Ich versuch, mir am Wochenende Zeit für meine Familie zu nehmen. Das bedeutet aber natürlich, dass ich unter der Woche schon alles erledigt haben muss. Seit Wochen habe ich keinen Film mehr angesehen, nicht mal in einer Zeitschrift geblättert oder einfach mal nichts getan. "Keine Zeit". Den Satz benutze ich momentan wohl am häufigsten.

Unterrichtsvorbereitung kostet wahnsinnig viel Zeit


Für eine einzelne 45-Minuten-Unterrichtsstunde bereite ich schonmal 3-4 Stunden vor. Thema finden, Ziele aus dem Bildungsplan festlegen, methodisch-didaktische Überlegungen. Unterrichtsskizze schreiben, Arbeitsblätter erstellen, Material basteln, schneiden, laminieren. Da kommen viele, viele Stunden zusammen. Nun stehen die Unterrichtsbesuche an, dafür bereitet man dann doppelt so viel vor. Zusätzlich schreibt man den gut 15-seitigen Unterrichtsentwurf. Jeep, ich hab genug zu tun.

 

Zeit mit dem Kind besonders genießen


Durch die ganze Arbeit habe ich natürlich weniger Zeit für mein Kind, aber das wusste ich vorher. Entsprechend versuche ich, die Zeit mit Leon viel intensiver zu genießen. Wenn ich Zeit mit Leon habe, dann gilt sie auch ausschließlich ihm. Da wird nebenbei kein Haushalt gemacht und nicht schnell noch was für die Schule erledigt. Das bin ich meinem Kind schuldig, das hat er verdient. Er macht das nämlich alles ganz toll. Er geht gerne in den Kindergarten, auch wenn er teilweise von 7-16:30 dort sein muss. Er ist so wahnsinnig groß und selbstständig, dabei wird er jetzt erst 2 Jahre alt.

 

Kinder lernen zu sehen, ist etwas ganz besonderes


Nun zum Bereich "Schule". Die Arbeit zeigt mir jeden Tag aufs Neue, dass ich mich für den richtigen Job entschieden habe. Gerade bei Grundschulkindern kann man den Lernzuwachs quasi direkt or sich sehen. Und es ist einfach bewundernswert, wie neugierig und offen Kinder noch sind, sodass das Lernen, wenn es richtig herausgefordert, motiviert und gefördert wird, quasi ganz von alleine passiert.

Gott sei dank habe ich Unterstützung


Mein Mann nimmt mir wahnsinnig viel Arbeit ab. Er holt Leon ab, wenn ich lange weg bin, er kocht Abendessen, er übernimmt Dinge im Haushalt, für die ich keine Zeit habe und er bleibt zuhause, wenn Leon krank ist und ich in der Schule unabkömmlich bin. Aber manchmal reicht das auch nicht. Da sind wir froh, dass wir auf meine Schwiegereltern zurückgreifen können. Als wir einen Betreuungsengpass wegen geschlossenem Kindergarten und wichtigen Terminen im Job hatten, sind sie, ohne mit der Wimper zu zucken, für eine Woche in eine Ferienwohnung in unserer Nähe gezogen und haben sich um Leon gekümmert. Ich bin so dankbar, dass ich solche Menschen in meinem Leben habe.

 

Ihr seht, es läuft. Es ist anstrengen, kostet mich oft alle Energie, die ich habe, aber es macht Spaß. Ich weiß, wofür ich es tue. Und das ist die Mühe allemal wert.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen